Eisberge, Pinguine und ein schwimmender Tiger in der Antarktis

10. Februar 2008 19:55

Endlich sind wir an Board des russischen Eisbrechers M/V Polaris, der uns hoffentlich sicher zum weissen Kontinent und wieder zurueck nach Ushuaia bringen wird. Unser Bedenken ist nicht unbegruendet, denn die Polaris ist das Ersatzschiff fuer die im November in der Antarktis gesunkene “Explorer”, das bisherige Expeditionsschiff von G.A.P. Adventures, mit denen wir die Reise gebucht haben. Die Polaris wurde extra aus Murmansk in Russland auf die andere Seite des Globus nach Ushuaia “geschifft”. Es ist die erste Fahrt der Polaris, doch die Besatzung und die Guides sind z.T. noch die alten der Explorer, die uns wehmuetig von ihr erzaehlen. Von der Explorer konnten nur die Zodiacs (Landungsboote) gerettet werden, die jetzt auch auf der Polaris benutzt werden.

Ueberall Kotztueten an BordAbends legen wir ab und nach einigen Stunden Fahrt durch den Beagle-Kanal geht es fuer 2 Tage und 2 Naechte durch die “Drake-Passage”, mit die rauhste See der Welt. Schon beim Einstieg ins Schiff wird uns beim Anblick der vielen Kotztueten, die das ganze Schiff schmuecken, schlecht. Prophylaktisch schmeissen wir uns direkt einige Pillen ein, doch bei Alex nuetzen diese in den naechsten 48 Stunden auch nichts…. Alle Passagiere scheinen wie unter Drogen zu stehen, denn der Schiffsdoktor verteilt munter seine Pillen und alle Passagiere bewegen sich nicht ohne Kotztueten in den Haenden haltend an Bord.

Mit unseren Guides und unserer Gruppe haben wir super Glueck: Wir sind nur 32 Passagiere (normalerweise sind es 70 auf der Polaris, was auch schon eine kleine Gruppe fuer Antarktisexpeditionen waere, denn es legen auch Schiffe mit 400 Passagieren ab) und 7 Guides. Unsere Gruppe ist super jung und unsere Guides sind wahre Spezialisten auf ihren Gebieten (Ornithologen usw.). Nach 48 Stunden “Schiffsschaukel fahren” koennen wir am 3. Tag kaum unsere erste Landung auf antarktischem Boden erwarten. Wir sehen die ersten antarktischen Pinguine und verschieden Arten von Robben und Seeloewen. Aber noch bevor wir das Festland erreichen, koennen wir die Pinguine aus der Ferne schon riechen, die gerade ihre “Chicks” aufziehen. Ein wunderbarer und lustiger Anblick ist es, wenn die “Kleinen” (oftmals schon so gross wie die Eltern, aber noch schwimmunfaehig) ihrer Mama oder ihrem Papa schreiend hinterher rennen, um nach Fressen zu betteln. Dabei fallen sie oft auf ihre Schnaebelchen oder rammen sogar ihre Eltern um. Stundenlang koennen wir in den naechsten Tagen diesem Spektakel zugucken und haben unsere Freude dabei! In den naechsten vier Tagen gehen wir mit den Zodiacs 2x pro Tag fuer mehrere Stunden an Land, um das Tierleben zu beobachten. Natur Pur- hier gilt: Fressen und gefressen werden (Krill –> Pinguine –> Seeloewen/Moewen –> Wale ;-) )

Atemberaubend sind die riesigen Tafel-Eisberge, die nur zu 1/8 aus dem Wasser ragen, aber dennoch bis 50m ueber Wasser sichtbar sind und in den wunderschoensten Blautoenen schimmern. Am Rosenmontag unternehmen wir mit den Zodiacs einen Ausflug durch das Packeis, vorbei an riesigen Eisschollen und Eisbergen, auf denen Pinguine und Seeloewen faul rumliegen. Ein besonderes Erlebnis ist es, als wir uns mit den Zodiacs ohne Motorgeraeusche in der Stroemung des kristallklaren Wassers und dem Eis treiben lassen. Eine ungewoehnliche Stille, wir hoeren nur das Knacken des Eises!

Zurueck ans Schiff nehmen wir kleinere Eisbloecke mit. Kalte Grundlage fuer sehr spassige Vodka-Abende mit der russischen Besatzung und unserer Gruppe. Mit Anke, einem Maedel mit koelschem Blut, bringen wir allen anderen den koelschen Karneval naeher. Am Ende verstehen alle “Koelle Alaaf” (sprich: “Koelle, I love!”)

Wassertemp.: Null GradVon Land aus haben wir einmal die Gelegenheit, in der Antarktis schwimmen zu gehen. Daniel und einige andere unserer Gruppe fassen allen Mut zusammen und rennen vom Strand einer Vulkaninsel aus ins Null-Grad kalte Wasser. Der Koerper schreit vor Schmerz und keiner haelt es laenger als einige Sekunden im Wasser aus! Zum Glueck gibt es am Strand eine heisse Vulkanquelle. Abends wird Daniel dann von der Crew mit einer Urkunde fuer den “sexiest” Badedress und fuer die lustigste Art ins Wasser zu rennen ausgezeichnet. Grund hierfuer ist sein Tiger-Badehoeschen, welches am letzten Abend noch richtig beruehmt werden sollte…

Besonderes Glueck haben wir am letzten Tag. Nachdem wir die Tage zuvor schon aus weiter Entfernung Wale sehen konnten, begleiten uns einige Bottle-Nose-Wale sehr nahe am Schiff. Kurze Zeit spaeter schwimmen ca. 25 Delphine eine 3/4 Stunde lang direkt unter uns. Wir stehen direkt 2-3m ueber Ihnen am Bug und koennen ihre Spielchen im Wasser beobachten.

Alles fuer die Albatrosse :-)Am letzten Abend versteigern unsere Guides verschiedene Andenken der Tour (z.B. Schiffsflagge) fuer ein Projekt zur Erhaltung des groessten flugfaehigen Vogel der Welt, dem Wandering Albatross, mit einer Spannweite von 3,5m! Wir selbst sehen sehr viele dieser Jumbojets, doch die Art ist wegen Fischerei mit Fangleinen bedroht und jedes Jahr sterben 100.000 Voegel unnoetig. Daniel geht dem verrueckten Vorschlag drei Australier nach, nur mit der Tiger-Badehose bekleidet durch die Kneipen Ushuaias zu rennen und mit der ganzen Gruppe in einer Kotztuete Geld fuer die Albatrosse zu sammeln. 150$ kommen bis in die fruehen Morgenstunden zusammen. Die Albatrosse werden es ihm bestimmt danken!

Pinguine auf Eisscholle:

Springende Pinguine:

Gefraessige Pinguin-Kinder:

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