Archiv für 'September, 2008'

Adios, Adieu, Goodbye und Auf Wiedersehen

30. September 2008 16:31

Ein letztes Mal, wir sind in Hong Kong, die Endstation unserer Reise. Wo ist eigentlich das Jahr geblieben?! Das fragen wir uns wirklich, es ging so schnell vorbei. Morgen geht es zurueck in die Heimat, und so richtig koennen wir es gar nicht glauben. Heute ist unser letzter Tag, aber zum feiern ist uns gerade nicht zu Mute. Wir hoffen aber, dass aendert sich morgen, wenn wir ueber den Rhein fahren…

Lecker! Huehnchen- FuesseWir haben in den letzten Monaten wirklich viele Grossstaedte gesehen und erlebt, aber Hong Kong ist noch einmal anders als die Anderen zuvor. Soviele Menschen auf einem Haufen, vor allem bei gruenen Ampeln und Kreuzungen, verstopfte Strassen, hunderte Wolkenkratzer und eiskalte Klimaanlagen. Staendig geht es von 35 Grad Aussentemperatur zu gefuehlten 18 Grad in Geschaeften, Metro-Bahnen und Bussen. Aber wir wollen nicht klagen, das Essen hier ist auch das Schlechteste, was wir bisher hatten ;-) Weil wir keine Huehnchen-Fuesse oder Pansen essen wollen bzw. uns sonst keiner sagen kann, was genau in den Toepfen vor sich hin brodelt, bleibt uns oft keine andere Moeglichkeit, als zum beruehmten “M” oder zum “King” zu gehen. Nachts ist es hier heller als tagsueber, zumindest vom Gefuehl her. Alles, wirklich alles leuchtet und blinkt. Wieviele Atomkraftwerke braucht diese Stadt eigentlich?

Hongkong by nightAm wohlsten fuehlen wir uns in den vielen Parks (Hong Kong Park, Botanischer Garten…) wo wir fuer ein paar Minuten Ruhe und frische Luft finden koennen. Trotz allem, die Skyline von Hong Kong ist atemberaubend, vor allem nachts, wenn die Atomkraftwerke auf Hochtouren laufen!

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei

28. September 2008 03:02

Nur noch vier Tage, und wir landen an einem uns diesmal schon bekannten Flughafen, ungluecklicherweise Duesseldorf. Natuerlich waeren wir lieber in Koeln gelandet, aber das hat unser Ticket nicht hergegeben. Deswegen haben wir beschlossen, mit dem Regionalexpress von Duesseldorf nach Koeln “einzufahren”. Was gibt es nach einem Jahr Schoeneres, als ueber den Rhein und die Hohenzollernbruecke zu fahren, und den Koelner Dom zu sehen?

Natuerlich haben wir bei unseren Eltern schon einen Wunschzettel eingereicht, womit wir am Bahnsteig empfangen werden moechten (Mittwoch, 1.10. um 19:29 Uhr, Gleis 9 am Koelner Hbf). Die drei Wichtigsten Dinge:

  • Halver Hahn (fuer alle Nicht-Koelner: Mittelalter Gauda mit Roeggelchen und Senf)
  • Fleischwurst, vorzugsweise FC-Wurst (Papa Wester weiss schon Bescheid :-) )
  • Koelsch

Damit waeren wir fuers Erste zufrieden. Aber es gibt noch so einige andere Dinge, auf die wir uns nach 365 Tagen sehr freuen. Die Eltern, Geschwister und Freude zu umarmen und nicht nur ueber Skype deren Stimme zu hoeren oder ueber diesen Blog und Email zu kommunizieren, endlich wieder saubere und gut-riechende Waesche zu haben, von keinen Kaefern, Mosquitos oder Blutegeln ausgesaugt zu werden, keine schwarzen Haare im Bett oder im Essen zu haben (zum Bett zaehlen auch Kopfkissen, die nach hunderten von Vorgaengern riechen und gelb sind, manchmal), 1. FC Koeln, noch mehr Koelsch, beruhigt auf Gehsteigen zu gehen ohne Angst haben zu muessen, im naechsten Moment zwei Meter tief in ein Loch zu fallen, keinen ungebetenden Zoo (Kakerlaken, Ratten) um uns zu haben, gute Aerzte, die einem sagen was man WIRKLICH hat (lange Geschichte), sich wieder auf ein Klo setzen zu koennen und nicht einfach nur ein Loch als “Zielscheibe” unter sich zu haben, endlich wieder Cremes und Deo’s kaufen zu koennen, ohne “Whitening-Effekt”, was wollen wir bitte schoen mit gebleichten Achselhoehlen (die Asiaten stehen drauf), endlich wieder EIN Zuhause zu haben (wir haben noch nichts in Aussicht) und nicht zuletzt eine konkrete Aufgabe bzw. einen Job zu haben…

Was werden wir vermissen? Jeden Tag aufzuwachen, und nicht wissen, was der Tag bringt, staendiges Handeln und dennoch zu wissen, dass man trotzdem zuviel zahlt, sich alle paar Wochen an eine neue Waehrung gewoehnen zu muessen, oefters am Tag lecker und guenstig essen zu gehen, staendig von der Seite mit “Tuk-Tuk, Mister, ok!” angesprochen zu werden, mit wildfremden Menschen einfach so ins Gespraech zu kommen und ueber Gott und die Welt zu sprechen, neue Orte, neue Menschen, neue Kulturen…

Wie ihr seht, die Punkte widersprechen sich. Deswegen schauen wir beide auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurueck und nach vorne. Nach der Reise ist vor der Reise, denn wir muessen uns bald um dieselben Dinge kuemmern, wie vor der Reise, nur umgekehrt: Wohnung suchen, zum Arbeitsamt gehen bzw. einen Job finden (Alex weiss schon was sie erwartet), Versicherungen, Arzt (diesmal nicht fuer Impfungen, sondern zur grossen Generalueberpruefung)… Nach all diesen Dingen muessen und wollen wir wieder zu einem geregelten Alltag finden, so schwer uns das am Anfang fallen wird. Fest steht aber jetzt schon, es war die genialste Reise und Zeit unseres Lebens, die mehr ein Abenteuer war als ein sehr langer Urlaub.

Kaffeefahrt durchs Bolaven-Plateau und rollende Hochbetten nach Vientiane

25. September 2008 08:13

Daniel mit Teeplantagen-BesitzerVon Pakse, einer gemuetlichen Stadt im Sueden von Laos, machen wir eine Tee- und Kaffeetour durch das Bolaven-Plateau. Leider haben wir totales Pech mit dem Wetter, es regnet wieder in Stroemen. Nebelschwaden verdecken uns ausserdem die Sicht auf den hoechsten Wasserfall in Laos. Aber egal, die Tour ist trotzdem sehr interessant, denn unser Guide erzaehlt uns viel ueber die verschiedenen Kaffeesorten und die Unterschiede zwischen den Teesorten und Herstellungsverfahren. Fuer gruenen Tee werden nur die ersten drei Blaetter der Teepflanze gepflueckt, waehrend fuer den schwarzen Tee die ersten vier Blaetter gerupft werden. Das vierte Blatt ist praktisch fuer die Bitterkeit des schwarzen Tees verantwortlich! Genug der Theorie. Der laotische Kaffee ist wirklich extrem lecker. Er ist tiefschwarz und dickfluessig, eine Wohltat nach all dem Nescafe der letzten Monate!

im VIP Sleeper-BusVon Pakse fahren wir mit einem “VIP-Sleeper-Bus” 700km Richtung Norden in die Hauptstadt von Laos, nach Vientiane. Es ist unser erster Nachtbus seit Suedamerika, aber er ist so anders, als alles was wir bisher erlebt haben. Der Bus wurde komplett ausgeschlachtet und Hochbetten wie in Jugendherbergen installiert. Wir haben leider das Pech, unten zu liegen. Neben uns stinkende Schuhe und noch schlimmer: Zwei stinkende Hollaender, die zwei Tage wandern waren und seitdem nicht geduscht haben. Auch wenn es schlimmer riecht als schlechter Gouda, wir haben Spass mit den Zwei! Mit unseren Decken bauen wir jedenfalls vor dem Schlafen-gehen eine Schutzwand um unser Bettchen.

Sonnenuntergang in VientianeIn Vientiane verbringen wir sehr relaxte Tage. Sightseeing faellt aus, dafuer lassen wir uns massieren und wandern von einem klimatisierten Cafe zum Naechsten, denn draussen regnet es in diesen Tagen nicht, dafuer ist es mindestens 40 Grad heiss. Wie ist das Wetter eigentlich in Deutschland? ;-) In einer Woche werden wir es ja selber wissen. Auch wenn ihr es nicht glauben werdet, aber wir freuen uns auf frische und kalte Luft und den Herbst!

Gestrandet auf den “Four Thousand Islands” in Laos

22. September 2008 08:45

Inoffizielle Bearbeitungsgebuehr :-)Der Grenzuebergang nach Laos ist sehr relaxt. Irgendwo mitten im Wald steht ein kleines Haeuschen mit Schranke (Ausreise Kambodscha), einige hundert Meter weiter wieder ein kleines Haeuschen, ebenfalls mit Schranke (Einreise Laos). Dazwischen steuerfreie Zone, aber ohne Casinos. Bei beiden Grenzposten muessen wir dem grinsenden Beamten eine Dollarnote dem Reisepass beifuegen, eine “Stempelgebuehr”, wie es so schoen heisst. Die ist nicht wirklich offiziell, die Familie des Grenzbeamten freut es aber sicherlich!

Kurz hinter der Grenze liegen die “Four Thousand Islands” mitten im Mekong. Der 4.350 km lange Fluss hat hier mit 14 km Ausdehnung seine breiteste Stelle mit tausenden von kleinen Inseln mittendrin. Auf eine von diesen, Don Khon, lassen wir uns mit einem Longboat bringen. Wir finden einen wunderschoenen Bungalow direkt am Mekong, von dem wir eine schoene Aussicht auf eine alte Eisenbahnbruecke haben (ein Ueberbleibsel der Franzosen). Aus einer geplanten Nacht werden am Ende drei, so relaxt ist das Haengematten-Liegen auf unserem Balkon, der ueber dem Mekong gebaut ist. Strom gibt ist hier nur zwischen 18 und 22 Uhr, wenn die Generatoren auf der Insel angeschmissen werden. Die Einheimischen baden und waschen (auch ihre Zaehne) im Mekong, waehrend wir das in Behaeltern gesammelte Regenwasser zum Duschen benutzen “duerfen”. Davon gibt es zur Zeit zum Glueck ausreichend, denn es ist Regenzeit. Alles ist wunderbar gruen und blueht, nur das Radfahren quer ueber die Insel im tiefen Matsch ist anstrengend und eine ziemliche Sauerei, zumal uns die Ketten mindestens 20 Mal abspringen. Irgendwann haben wir es satt und schieben die Raeder im stroemenden Regen zurueck!

Traurige Vergangenheit in Phnom Penh und ein langer Weg nach Laos

20. September 2008 12:45

Von Battambang nach Phnom Penh (Hauptstadt Kambodscha) sind es 280km, die wir rein theoretisch mit einem Zug fahren koennten. Unsere Guides in Battambang erzaehlen uns, dass der Zug auf denselben Gleisen wie unser Bambootrain fahren wuerde (die Bambootrains werden dann von den Schienen gehoben). Im gluecklichsten Fall aller Faelle braucht der Zug “nur” 14 Stunden (20km/h!!). Nicht verwunderlich, so schlecht wie die Schienen sind. Also entscheiden wir uns fuer einen 6-Stunden Bus nach Phnom Penh; weniger spektakulaer, aber genauso anstrengend, denn wir werden mit der kambodschanischen Hitparade beschallt.

S-21In Phnom Penh setzen wir uns mit der tragischen Geschichte Kambodschas auseinander. 2.000.000 Kambodschaner wurden im Buergerkrieg von 1975-79 von der Khmer Rouge (Rote Khmer) getoetet; ein Viertel der Bevoelkerung! Wie grausam potenzielle Parteigegner (Politiker, Lehrer, Aerzte und andere Intellektuelle, wozu die Khmer Rouge auch Menschen mit Brille zaehlte) umgebracht wurden, sehen wir auf den “Killing Fields” und im “S-21“. Letzteres ist eine ehemalige Schule, die als Gefaengnis umfunktioniert wurde, in dem Informationen aus den Menschen unter Folter herausgepresst wurde, bevor sie auf den Killing Fields hingerichtet wurden. Fast nie mit einer Kanonenkugel, die waren der Khmer Rouge zu teuer, sondern mit Schaufel oder Hammer wurde der Schaedel zertruemmert oder die Opfer sogar lebendig begraben. Die Geschichte ist erschuetternd, vorallem, weil heute viele Verantwortliche bekannt sind und noch immer in Freiheit leben oder sogar in der Politik taetig sind!

In Phnom Penh bleiben wir vier Tage, weil wir auf unser Visum fuer Laos warten muessen. Zur Stadt ist sonst nicht viel zu sagen, ausser, dass es hier sehr viele sehr reiche Menschen gibt, was ueberhaupt nicht ins Bild des sonst ziemlich armen Kambodschas passt. Korruption faengt hier beim Tuk-Tuk Fahrer an und hoert beim hochrangigen Politikern auf.

ReifenwechselDer lange Weg zur Grenze nach Laos fuehrt am Mekong entlang. Der neu geteerten Strasse sind wir dankbar, auch wenn sie nicht so recht ins Landschaftsbild passt. Stundenlang begegnet uns kein Auto, nur Kuehe und Wasserbueffel ueberqueren die Strasse. Unserem schrottreifen Bus, in dem wir waehrend der gesamten Fahrzeit die einzigen Gaeste sind, wird unterwegs schnell ein platter Reifen gewechselt. Der “neue” Reifen ist ebenfalls total abgefahren, aber immerhin aufgepumpt! Unterwegs nach Laos machen wir fuer eine Nacht in Kratie Pause. Kratie liegt direkt am Mekong, und bei einer Bootstour koennen wir vom Aussterben bedrohte Suesswasser-Delphine sehen, die sich uns leider nicht wie Flipper praesentieren.