Archiv für 'August, 2008'

Unser Dschungelcamp

31. August 2008 08:23

Wir sind im Taman Negara Regenwald im Malaysia, das aelteste Waldgebiet der Erde. Seit 130 Millionen Jahren waechst hier Regenwald, ein richtiger Ururwald. Auch wenn die Malaysier in der Vergangenheit nicht ziemperlich waren, was die Abholzung ihres Regenwaldes betrifft, geht es in diesem Nationalpark noch urspruenglich zu.

Mit dem “Jungle-Train” fahren wir von Singapur aus nach Jerantut in Malaysia, dem Ausgangsort zum Taman Negara. Von dort gehts mit einem schmalen “Longboat” auf einem breiten braunen Fluss drei Stunden flussaufwaerts tief in den Dschungel hinein. Unterwegs sehen wir links und rechts am Ufer viele wilde Wasserbueffel. In Kuala Tahan, dem einzigen Dorf im Park (abgesehen von einigen Nomaden-Doerfer der Ureinwohner), muessen wir Eintritt und eine “Photographic Licence” bezahlen. Letztere kostet das 5-fache vom Eintrittspreis, aber trotzdem nur einen Euro umgerechnet. Fuer vier Naechte ist eine einfache Huette unsere Unterkunft, und in den Baeumen davor tummeln sich oft Aeffchen und Hornbills (aehnlich wie Tukane, mit einem riesigen bunten Schnabel).

zu spaet gemerkt!Die Tage sind extrem schwuel mit 99% Luftfeuchtigkeit. Nach nur zehn Minuten wandern im Dschungel sind wir klitschnass geschwitzt, wir fuehlen uns wie in der Sauna. Am ersten Tag laufen wir noch ahnungslos mit unseren Trekking-Sandalen rum, ohne zu merken, dass wir “angezapft” werden. Erst als Blut in Rinnsaelen fliesst, sehen wir die kleinen bzw. mittlerweile grossen Blutsauger! Mit Desinfektionsspray besprueht lassen sie freiwillig los, doch kaum ist der eine Fuss wurmfrei, saugen an dem Anderen schon wieder fuenf Neue. Wir koennen kaum glauben, wie schnell und unbemerkt sie angekrochen kommen. Selbst mit Wanderschuhen und dicken Socken sind wir in den naechsten Tagen nicht vor ihnen sicher. Nachts ist es im Dschungel so extrem laut, dass manchmal selbst Oropax nicht helfen. Jede Nacht haben wir ein Symphonie-Konzert von Zikaden, Froeschen, Affen, Wildschweine und andere Laute von unbekannten Tieren.

Canopy-WalkAnsonsten wandern wir tagsueber im Dschungel umher. Der “Canopy-Walk” hier (Haengebruecken von Baum zu Baum) ist angeblich der laengste der Welt und bei Schwindel-erregenden 40 Meter Hoehe wackelt die ganze Konstruktion. Bei einem Fluss, den wir ueberqueren muessen, gibts leider keine Haengebruecke, nur ein Seil im Wasser zum Festhalten. Also Schuhe, Socken und Hose aus, Augen zu und durchmarschiert! Auch wenn wir nicht sehen, wo wir eigentlich hintreten, denn das Wasser ist dunkel braun, tut die Abkuehlung am Ende gut!

Fahrt auf einem “Longboat” im Dschungel:

In Singapur - und wieder auf der Nordhalbkugel

28. August 2008 04:42

Als wir im Flieger von Jakarta nach Singapur sitzen und beim blaettern im Airline-Magazin eine Weltkarte entdecken, faellt uns auf, dass wir seit Beginn unserer Reise vor 11 Monaten nur auf der Suedhalbkugel gereist sind (abgesehen von einem Tag in Ecuador auf dem Aequator). Singapur liegt also wieder auf der Nordhalbkugel, wir naehern uns langsam der Heimat :-) Und der Abfluss dreht sich nun wieder rechts herum!

Singapur SkylineIn Singapur bleiben wir vier Tage zum Sightseeing. Immer wieder regnet es in Stroemen, aber das haelt uns nicht von “Little India”, Chinatown, Singapore Bird Park und Sentosa Island ab. Die Stadt ist sehr sauber und hoch modern, was wir in beiderlei Hinsicht gar nicht mehr gewohnt sind. Man kann seelenruhig durch die Strassen gehen, ohne staendig von der Seite angesprochen zu werden (”Taxi, Mister?”, “Give you good price, ok!”). Auch muessen wir hier nicht mehr um die Preise faelschen, denn in Indonesien haben wir immer pauschal ein Vielfaches vom eigentlichen Preis genannt bekommen.

Nach 4 Tagen Grossstadt fahren wir mit dem “Jungle-Train” ueber die Grenze nach Malaysia, wo wir einige Tage tief im Taman Negara Dschungel verbringen wollen.

Grosse Tempel und ein brodelnder Vulkan auf Java

23. August 2008 07:35

Nach “Bromo” fahren wir mit unserer franzoesischen Begleitung 400km weiter nach Yogyakarta auf Java. Nach 11 Stunden Fahrt dorthin wissen wir dann auch, warum Java die bevoelkerungsdichteste Insel der Welt ist. Auf der gesamten Strecke haben wir nie das Gefuehl, die Stadt (irgendeine!) zu verlassen. Nie wird es laendlich, ueberall Menschen, Autos, Mofas, Smog und Laerm.

In Yogyakarte bleiben wir sechs Tage, denn von hieraus gibt es drumherum viel zu sehen. Wir besichtigen Prambanan, den groessten hinduistischen Tempel in Indonesien und Borobudur, einer der groessten buddhistischen Tempelanlagen in Sued-Ost Asien. Beide Tempelanlagen sind sehr beeindruckend, im Gegensatz zu den hunderten Verkaufsstaenden vor den Eingaengen bzw. nach den Ausgaengen. Wir finden kaum raus aus dem riesigen Labyrinth, was mit Sicherheit aber auch gewollt ist.

Daniel besorgt sich in Yogyakarta ausserdem einen Guide, um den Gunung Merapi zu besteigen, einen der aktivsten und gefaehrlichsten Vulkan der Welt. Um 22 Uhr gehts mit einem Bus nach Selo, ein Dorf welches gefaehrlich nahe am Fusse des Vulkans liegt. Um 1 Uhr nachts geht dann der sehr anstrengende Aufstieg mit ueber 1400 Hoehenmeter auf den Gipfel los. Oben qualmt der ganze Vulkan, ueberall stinkt es nach Schwefel und der Guide kocht Teewasser auf den heissen Lavasteinen.

Rundumblick auf dem Gurung Merapi:

In Yogyakarta muessen wir uns leider von unserer franzoesischen Family verabschieden. Mit einem Nachtzug fahren wir 600km weiter nach Jakarta, der knapp 10 Millionen Hauptstadt Indonesiens. Hier gibt es nicht viel zu sehen, was nicht nur an dem Smog liegt, und zum Glueck fliegen wir von hier am naechsten Tag nach Singapore.

Bang Boom “Bromo”

17. August 2008 12:55

Von Bali aus machen wir uns auf den Weg nach Java, mit 124 Millionen Bewohnern die bevoelkerungsreichste Insel der Welt (Indonesien hat insgesamt ueber 17.000 Inseln!). Auf der diesmal kurzen Faehrueberfahrt lernen wir Estelle und Christoph aus Frankreich kennen, die mit ihrem 20 Monaten alten Baby reisen. “Luna” zieht alle Indonesier auf Java magisch an; mit ihrer weissen Haut, blonden Haaren und blauen Augen ist sie hier etwas ganz Besonderes und alle wollen sie beruehren.

Mit den Dreien ist unser erstes gemeinsames Ziel der Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark, eine aktive Vulkanlandschaft und eine der beeindruckendsten Orte in Indonesien. Als wir dort nachts nach einer langen und wilden Fahrt ankommen, sehen wir davon noch nichts, nur die Luft ist hier auf ueber 2300m etwas duenner. Erst am naechsten Morgen, als wir ueber den Kraterrand sehen koennen, ist die Aussicht total ueberwaeltigend. Der Tengger-Krater erstreckt sich ueber 10km Durchmesser, im Tal liegt eine Nebelschicht und der Schwefel-qualmende Gunung Bromo schaut ueber der Wolkendecke heraus. Im Hintergrund qualmt der Gunung Semeru, der hoechste und aktivste Vulkan auf Java. Alle 20 Minuten stoesst er eine riesige schwarze Aschewolke aus.

Wir wandern durch den riesigen Tengger-Krater zum “Bromo”, und weil Alex dort vermutlich zu viel Schwefel einatmet, hat sie in der naechsten Nacht eine starke Migraene-Atacke. Am Bromo selbst verkaufen geschaeftstuechtige Indonesier Blumenstraeusse, die man in den Schlund des Vulkans schmeissen soll, was natuerlich Glueck bringt. Wir wundern uns anfangs noch, warum die Blumen alle grau sind und die Straeusse so vergammelt aussehen, bis wir einen lebensmueden Verkaeufer in den Vulkan klettern sehen, um die runtergeworfenen Straeusse wieder einzusammeln! Oben wieder gluecklich angekommen, wird die Asche abgeschuettelt, und die Straeusse wieder zum Verkauf angeboten. Sonst wird hier leider nichts recycelt!

Am Kraterrand vom Mount Bromo (und die Auswirkungen des Schwefels auf Alex):

Daniel macht sich dann nachts um 3 Uhr alleine auf den Weg, um von einem hoeher gelegenen Aussichtspunkt am Tengger-Krater den Sonnenaufgang zu sehen, was mit den qualmenden Vulkanen wirklich atemberaubend aussieht.

PS: Unsere australische Handy-Nummer funktioniert in Asien nicht mehr!

Es gibt Reis, Baby

12. August 2008 15:10

Jan und Marco treffen wir zufaellig frueher auf der Faehre von Lombok nach Bali wieder. Zusammen erleben wir eine chaotische Ueberfahrt auf einer Faehre, die in Deutschland mit einer 1000-Punkte-Maengelliste nie den TUEV bestehen wuerde! Der Wellengang ist so stark, dass wir bei jeder Welle denken, die Faehre bricht gleich auseinander. Viele Einheimische werden seekrank, und die ohnehin schon schlimmen Toiletten werden in Folge dessen unbenutzbar (auch Alex muss wieder leiden). Als wir am Hafen in Bali ankommen, stehen wir stundenlang mit anderen Schiffen in einer “Warteschlange” auf dem Meer, weil es leider nur einen Anlegesteg gibt. Das Schlimmste passiert aber, als unsere Faehre gerade anlegt, und wir aussteigen wollen. Wir muessen im Bug zwischen LKW’s und Bussen mit laufenden Motoren warten, bis die Klappe aufgeht. Es gibt absolut keine Luftzufuhr und zurueck aufs Deck ist auch unmoeglich, weil der enge Gang nach oben mit anderen Leuten versperrt ist. Nach endlos langen 15 Minuten geht endlich die Klappe auf und wir koennen nach Luft schnappen!

Mit fuenf Stunden Verspaetung kommen wir nachts wieder in Kuta an, wo wir zusammen Marcos und Jans Rucksaecke packen, die netterweise von uns “unnoetiges” Gepaeck mitnehmen (Zelt, Kocher, Schlafsaecke usw.). Am naechsten Morgen muessen wir uns leider verabschieden, aber diesmal nur fuer zwei Monate. :-)

Aus dem extrem touristischen Kuta machen wir uns auf den Weg ins ebenfalls touristische, aber dennoch gemuetlichere Ubud. Hier kommen wir bei einer Familie unter. Wir mieten uns wieder einen Roller, unser eigentliches Ziel, ein beruehmter Tempel, verpassen wir nur knapp. Auf der Karte sieht alles so einfach aus, 3-4 mal abbiegen und schon sollten wir da sein, aber Strassenschilder gibt es hier so haeufig wie Reisfelder in Deutschland. So verfahren wir uns “ein wenig”, bis in den Norden von Bali. Wir merken das auch schnell, aber die Gegend und die Reisfelder sind so urspruenglich bzw. schoen, dass wir einfach immer weiterfahren und uns treiben lassen. Einsame Doerfer, winkende Kinder und keine anderen Touris begleiten den Weg.

Nach Ubud fahren nach Lovina hoch in den Norden. Zur Feier des Tages (wir haben heute unseren 1. kirchlichen Hochzeitstag) steigen wir in einem netten Strandbungalow ab, der nicht teurer ist als so mancher einfacher Campingplatz in Australien. Ein deutsch-sprachiger Balinese zeigt uns auf einer Tour das Hinterland, doch sein “Spaziergang” entpuppt sich mehr als Flusswanderung. Das Wasser kommt uns aber bei der schwuelen Hitze gerade recht (Alex unfreiwillig, als sie im Fluss ausrutscht!).

Ueber Bali denken wir am Ende so, wie man ueber Mallorca denken koennte. Sehr touristisch, aber einige entlegene Orte sind dann doch sehr schoen.