Archiv für 'Juni, 2008'

Schni-Schna-Schnappis im Kakadu Nationalpark

27. Juni 2008 08:03

Bevor wir es einmal durch Australien geschafft haben (unser Kilometerzaehler zeigt schon knapp 7000km), erkunden wir den riesigen Kakadu Nationalpark, einige hundert Kilometer vor Darwin. Mittlerweile sind selbst die Naechte ziemlich warm, so dass wir es im Auto zum schlafen nicht mehr aushalten. In der ersten Nacht, in der wir noch bei offenen Fenstern im Auto schlafen, wird Alex regelrecht von Mosquitos massakriert. Am naechsten Morgen hat Alex 50 Stiche auf EINER Pobacke. Daniel lacht sich kaputt, denn er hat keinen Einzigen. Von nun an schlafen wir draussen in unserem Innenzelt, durch das wir auch auf den schoenen Sternenhimmel gucken koennen.

Im Nationalpark laufen wir durch wunderschoene Canyons und schwimmen unter Wasserfaellen her, aber nur in definitiv Krokodil-freien Tuempeln. Unsere ersten Salties (die gefaehrlichen Salzwasserkrokos) sehen wir bei einer Bootstour ganz frueh morgens auf dem Yellow River. Unser “erster” Saltie ist stolze 5 Meter lang und direkt neben dem Boot! Weils so frueh morgens ist, und sich die Krokos noch nicht in der Sonne aufgewaermt haben, liegen alle faul im Wasser rum. Bei einigen sieht man nur die beiden Glubsch-Augen aus dem Wasser gucken. Es ist ein wahres Tier-Paradies hier, tausende Voegel (Stoerche, Seeadler, Enten, Reiher), Wasserbueffel, und natuerliche wieder nervige Mosquitos, die sogar durch die Jeans stechen.

Obwohl Thing Thong recht wassertauglich ist, kommen wir auf einem Track zu den beiden schoensten Wasserfaellen hier im Park nicht weiter. Wir wollen es nicht wagen durch einen 1m tiefen Fluss zu fahren. Als wir gerade schon umkehren wollen, fragt uns ein australisches Paaerchen, ob wir mit in ihrem Jeep fahren moechten. Wir nehmen ihr Angebot an und verbringen einen schoenen Tag mit den beiden und ihrer Kleinen.

Als wir am naechsten Tag ein Stueckchen durch den Park weiter fahren wollen, faellt Alex durch Zufall ein, das das Halbfinale die kommende Nacht statt findet (sehr verwirrend durch die Zeitverschiebung). Panik tritt in Daniels Augen und wir fahren im Eiltempo am Abend noch 250 km weiter durch den Nationalpark bis nach Darwin. Hier finden wir, wir koennen es selbst kaum glauben, eine Bar, in der das Spiel um 4.30 Uhr uebertragen wird. Aus Profitgruenden muessen wir schon um 2.00 Uhr da sein, danach kommt man nicht mehr rein. Schlaftrunken sitzen wir hier mit hundert anderen Deutschen und nur 3 Tuerken rum bis es dann endlich los geht. Die Stimmung ist super und Gaensehaut-Feeling pur, als beim 2:1 und Bildausfall keiner den englischen Kommentator versteht, wer nun das Tor geschossen hat. Es ist Mucks-Maeuschen still bis der Kommentator sagt: “At this moment Germany is qualified!” Auch wenn um 6.30 Uhr morgens “Deutschland-Deutschland” und “FI-NA-LE”-Rufe durch die Strassen hallen, wir vermissen schon in Koeln mit Freunden die Spiele zu gucken.

“You’re in the bush, man!”

22. Juni 2008 04:40

Kurz vor Alice Springs suchen wir noch einmal das Abenteuer, als wir Thing Thong in die Knie treiben und uns gewissermassen auch. Wir stecken in einem trockenen Flussbett tief im Sand fest, das vorher so unscheinbar aussah. Gut 2 Stunden brauchen wir, um Thing Thong mit unseren Kochtoepfen wieder auszubuddeln, die Fahrspur mit Aesten und Gestruepp auszulegen, um hoechstens 10m weiter wieder genau so tief stecken zu bleiben. Wir denken schon hier die Nacht verbringen zu muessen, als zwei Australier mit einem “richtigen” Jeep vorbei kommen und uns rueckwaerts rausschieben. Wir bedanken uns mit unserer letzten Haribo-Phantasia-Tuete bei den beiden und schaffen es doch noch nach Alice (welch ein Opfer, Aldi gibt es nur an der Ostkueste).

In Alice bleibt uns trotz grosser Bemuehungen das letzte Deutschland EM-Gruppenspiel verwehrt, also sind wir mal wieder froh am naechsten Morgen per Sms auf dem Laufenden gehalten zu werden (Anstoss ist hier um 4.45 Uhr).

Unser naechstes grosses Ziel ist der Kakadu-Nationalpark und Darwin ganz oben im Norden. Doch die 1600km von Alice muessen erst einmal gefahren werden. Zum Glueck gibt es auf dem langen Weg einige schoene Haltepunkte, denn die Strasse ist nicht besonders unterhaltsam. Wenn eine Kurve kommt, ist dies schon eine Abwechslung, ansonsten geht es immer nur gerade aus. Meistens sieht man die Strasse als Punkt am Horizont verschwinden. Im Schnitt kommt alle 200km ein Doerflein, das mit 3000 Einwohnern schon eins der Groessten ist. Man versuche sich das einmal in Deutschland vorzustellen!

Bitter SpringsUnseren absoluten Lieblingsort hier in Australien finden wir rein zufaellig: die Bitter Springs in Mataranka. Eine 34 Grad warme Quelle, mit 300 Litern pro Sekunde, fliesst durch einen unwirklich erscheinenden Palmenwald. Nach der langen Fahrt durch die Wueste kommt uns dies wie eine Oase vor. Wir schwimmen mit der Stroemung durch das kristallklare tuerkis-farbene Wasser, vorbei an Seerosen und Palmen, unter uns schwimmen kleine Rothals-Schildkroeten, ueber uns unzaehlige Kakadus und Sittiche. Einfach zu schoen, um wahr zu sein!

Trotz diesem schoenen Ort steht unser Viertelfinal-Spiel an, und Daniel versucht wie verrueckt ein Fernseher mit mehr als den hier 4 ueblichen Programmen zu finden, der um 4.45 Uhr erreichbar waere. Klar! Nichts Leichteres als das. Die Antwort eines Polizisten, der Daniel in einer Alkoholkontrolle mitten im Outback “blasen” laesst, bringt es dann auf den Punkt, als dieser lachend antwortet: “Ha! You’re in the bush, man!”

UL! UL! UL-U-RU!

16. Juni 2008 12:07

Weiter gehts entlang auf dem langweiligen und geteerten Highway zu einem Must-to-do in Aussi, dem Uluru, auch unter Ayers Rock bekannt. Hier ist auch schon “ein Bisschen” mehr los. Am wenigsten faellt man hier auf, wenn man den 10km langen Weg UM den Ayers Rock geht und nicht wie viele Andere mit Sandalen den Fels “besteigt” und anschliessend auf dem Allerwertesten wieder herunter rutscht (ohne bestimmte Nationen nennen zu wollen). Jedenfalls wuenschen sich die Aboriginals, dass man ihren Berg nicht beklettert…

Weitaus unbekannter, aber nicht weniger sehenswert, sind die Olgas. Eine riesige Formation einzelner “kleiner Ulurus”. Ansonsten machen hier alle das Gleiche, uns natuerlich mit eingeschlossen. Morgens um 7 Uhr zum Sonnenaufgang losfahren, und abends auf dem hier extra angelegten Sunset-Viewing Parking mit 200 Anderen den Sonnenuntergang am Uluru zu gucken.

Leider gibt es hier in The-middle-of-Nowhere kein EM-Public-Viewing und so versucht Daniel fuer das Spiel gegen Kroatien verzweifelt nachts um halb zwei auf einem riesigen Campingplatz ein Wohnmobil mit Satellitenschuessel und ARD-Empfang zu finden, leider erfolglos. Zum Glueck haelt uns eine Freundin (Danke liebe Steffi!) per SMS auf dem Laufenden: “2:0 Kroatien”, “2:1 durch Poldi”, “Rot Schweini!”) Fuer das entscheidende Gruppenspiel gegen Oesterreich wollen wir es unbedingt nach Alice Springs schaffen, um dort mitfiebern zu koennen!

Hippy Hippy Shake

10. Juni 2008 11:15

Nun muss sich Thing-Thong beweisen! Wir wollen den gut 700km langen Oodnadatta-Track mitten durchs Outback fahren. Noch einmal kurz vorher alles voll tanken, 75 Liter Tank und 2×20 Liter Ersatzkanister, viel Trinkwasser, und dann gehts los!

Die Strecke ist eine reine Sandpiste, aber das macht unserem Thing Thong nichts. Er bringt uns gut durch voran. Wir sehen einige Rentner-Jeeps mit riesigen Anhaengern auf denen Zelte, dutzende von Benzinkanistern und sogar der Barbecuegrill drauf ist, nun ja nichts daheim lassen! In unserer ersten Nacht faengt es in Stroemen an zu regnen. Gut fuers trockene Land, aber nicht fuer uns! Der Weg ist zu einem einzigen Matschfeld geworden (man stelle sich einen nassen gepfluegten Kartoffelacker vor) und wir haben schon grosse Muehe von unserem Schlafplatz wegzukommen. An der ersten Kurve sehen wir dann schon einen Jeep mit Anhaenger, welcher tief und fest im Matsch fest steckt. Tja, die beiden muessen warten bis es aufgehoert hat zu regnen und die Strasse wieder getrocknet ist. Wir beginnen unsere Rutsch- und Schlitterpartie (Daniel hat alle Muehe das Auto gerade zu halten, waehrend Alex vor Schreck immer die Luft anhaelt, wenn das Auto dem Graben gefaehrlich nahe rutscht). Einige Male sehen wir herrenlose Trailer ohne Jeep, die tief im Matsch stecken und einfach an Ort und Stelle stehen gelassen wurden. Fuer 80km brauchen wir 5 Stunden, bis wir endlich in William Creek, ein Ort mit drei Einwohnern (laut Ortsschild), ankommen. Hier muessen wir gezwungenermassen bleiben, denn die Strecke ist zur Weiterfahrt gesperrt. Wir sind nicht alleine, etliche andere stehen hier auf der Strasse und warten wieder auf die Sonne. So bloed der Regen fuer uns ist, so wichtig ist er hier fuers Land. Von Einheimischen (einer der drei!) hoeren wir, dass es hier seit 1,5 Jahren nicht mehr so stark und lange geregnet hat wie an diesem Tag.

Unser Thing Thong hat bestimmt 200kg Lehm an sich kleben, den wir am naechsten Morgen erst einmal versuchen abzuschlagen, waehrend wir warten, dass die Strecke wieder geoeffnet wird. Wir haben Glueck und mittags kann die Strecke mit Allrad wieder befahren werden. Durch die Sonne ist der Lehm auf der Strasse wieder getrocknet und wir kommen gut vorwaerts. Wenn da nicht die riesigen Wasserpfuetzen waeren, durch die wir einige Male durchfahren und wieder rumdrehen, weils so Spass macht.

In Oodnadatta halten wir am Pink Roadhouse an, wo wirklich alles pink ist, sogar das Klopapier. An unserem letzten Abend machen wir ein kleines Lagerfeuer, schauen uns den Sternenhimmel mit der Milchstrasse an (schnulz) und geniesen einfach nur die Stille (Daniel spielt mal keine Gitarre). Nach ueber 700km und zuviel Sprit erreichen wir das Ende vom Track. Paradoxerweise ist der Sprit am viel befahrenen Sturt-Highway viel teurer, als mitten im Outback. Wir aergern uns tierisch, uns bleibt jedoch nichts anderes uebrig, als gerade soviel zu tanken, um bis zur naechsten Tankstelle gut 200km weiter zu kommen, um dort zu sehen, dass der Sprit noch teurer ist.

Zurueck in der Zivilisation schauen die Leute verwundert Thing Thong an und fragen uns, was wir denn gemacht haetten und wo wir waren. Ein bisschen stolz sind wir dann schon auf unsere Schlammkugel!