Archiv für 'Februar, 2008'

Ice, Ice, Baby

29. Februar 2008 03:09

Man koennte meinen, wir haetten nicht schon genug Eis gesehen. Aber weil es zufaellig auf dem Weg liegt und ein “MUST-DO” fuer jeden Reisenden in Argentinien ist, fahren wir auch zum Perito Moreno, einem riesigen und immer noch wachsenden und kalbenden Gletscher (Wundert euch uebrigens nicht, wir haben seit dem letzten Beitrag mal wieder die Grenze ueberquert. Mittlerweile sind unsere Reisepaesse mit argentinischen Ein- und Ausreisestempeln halb voll). Um den grossen Touri-Ansturm am Gletscher zu umgehen, mieten wir uns in El Calafate, einem Ort, der nur fuer und wegen dem Gletscher-Tourismus gross geworden ist, einen schicken Fiat Uno mit unzaehligen Steinschlaegen, Scheibenrissen und Beulen als einzige Schoenheitsfehler. Am fruehen Morgen duesen wir damit vor allen Bussen zum Gletscher, um dort von einer Aussichtsplattform aus beim gemuetlichen Fruehstueck dem Gletscher beim kalben zuzugucken. Unter ohrenbetaeubendem Laerm brechen einige Stuecke der 60m hohen Gletscher-Front vor unseren Augen ab. Nach 3 Stunden sind aber vor Kaelte unsere Finger so blau wie der Gletscher und wir fahren wieder zurueck.

El Calafate hat kulturell und historisch einiges zu bieten (die Stadt gibt es immerhin seit einigen Jahrzehnten), weswegen wir abends im Casino absteigen und Alex es an ihrem Lieblings-Einarm-Banditen einige Male klimpern laesst und die Ausgaben des Abends wieder einholt (Eintritt und zwei Sprites).

“Hardcore-Trekking” am Torres del Paine

27. Februar 2008 00:42

Nach 9 Tagen im Torres del Paine Nationalpark in Chile kehren wir wieder zurueck in die Zivilisation. Unser Guidebook preist die Wanderung um die Torres del Paine-Tuerme, mehrere und bis zu 3000m hohe senkrecht in den Himmel ragende Felsen, als “Hardcore-Trekking” an. Alex schlottern deswegen schon Wochen vorher die Knie, doch alle Ausreden nuetzen bei Daniel nichts, der auch noch die grosse Runde gehen will. Am Ende ist auch Alex froh und gluecklich, den Trek gemacht und geschafft zu haben, denn die Landschaft und die Erlebnisse (gute wie auch schlechte…) sind einmalig.

Wir laufen insgesamt 9 Tage den “Grande Circuit” und campen auf offiziellen und inoffiziellen selbst-ernannten Camping-Plaetzen. Essen kaufen wir zu Beginn eigentlich genuegend ein, doch abends ist unser Appetit und Hunger groesser als erwartet. Wir sind froh, in einigen Berghuetten das Noetigste, wenn auch zu Wucherpreisen, nachkaufen zu koennen. Unser Speiseplan in diesen Tagen ist nicht sehr abwechslungsreich: jeden Abend gibts Nudeln mit roter Sosse, manchmal sogar noch eine Tuetensuppe als Vorspeise. Nur einmal gibts ein Nobelessen, als wir uns in einer Huette frische Eier, Brot und Kaese kaufen und mit unserer Salami und Tomatensosse zu leckeren Burgern kombinieren. Ein kulinarisches Highlight!

Landschaftlich ist jeder Tag anders. Mal gehts vorbei an riesigen Gletschern, durch dichten Wald, durch karge Steppenlandschaft, und fast immer entlang an eiskalten Gebirgsfluessen (unser Trinkwasserlieferant und Planschbecken) und Seen. Das Wetter ist genauso abwechslungsreich. An unserem schwierigsten Tag, als wir stundenlang einen steinigen Pass ueberqueren muessen, stuermt es und der Regen peitscht aus allen Richtungen. Ziemlich erschoepft und total durchgenaesst, trotz guter Regenkleidung, kommen wir unten im Tal an einem Campingplatz an. Dort haengen wir wie viele andere auch unsere nassen Klamotten in einer warmen Huette mit Ofen auf. Einige Stunden spaeter sind ploetzlich unsere beiden Regenjacken verschwunden. Tolles Gefuehl, mit einem Dieb ueber Nacht Zelt an Zelt zu liegen…

Am naechsten Morgen finden wir zumindest Alex Jacke zusammengefaltet unter einem Busch wieder, aber an Daniels Jacke scheint der Dieb mehr Gefallen gefunden zu haben. Zum Glueck regnet es in den verbleibenden 4 Tagen nicht mehr, sondern es scheint die Sonne, was besonders am letzten Tag DAS Hightlight des Nationalparks zum besonderen Erlebnis macht: die drei hoechsten Torres del Paine Tuerme bei Sonnenaufgang im Postkartenmotiv zu sehen. Wir stehen um 5 Uhr im Dunkeln auf, um vom Campingplatz aus bei sternenklarem Himmel eine sehr anstrengende Stunde lang hoch zum Aussichtspunkt zu kraxeln. Dort werden wir mit einem wunderschoenen Sonnenaufgang belohnt, der die Tuerme erstrahlen laesst.

Zurueck in Puerto Natales hauen wir uns abends die Wampen wieder voll! ;-)

Zu Gast bei Woody Woodpecker im Nationalpark Tierra del Fuego

16. Februar 2008 22:04

PaeuschenAls wir vor ca. zwei Wochen nach Ushuaia kommen, ist der Nationalpark Tierra del Fuego (Feuerland) unser eigentliches Ziel. Die Antarktis ist uns “nur” dazwischen gekommen, aber nun geht es endlich in den suedlichsten Nationalpark Argentiniens, um uns ein wenig die Fuesse zu vertreten. Den Eintritt zum NP umgehen wir zufaellig, weil wir erst nach 20 Uhr mit einem Bus die Ranger-Station passieren, und dieser schon seinen Feierabend geniesst. In den naechsten vier Tagen wandern wir so gut wie auf allen Wegen, denn der Park ist relativ klein und uebersichtlich, aber wunderschoen. Endlich kommt unser Zelt auch wieder zum Einsatz. Die erste Nacht zelten wir am schoenen Ufer des Beagle-Kanals, die restlichen Naechte auf einer kleinen Wiese mitten im NP. Um uns herum hohe Berge, ein rauschender Fluss (unsere kalte Badewanne) und viele hoppelnde und am Zelt nagende Haeschen.

Woody Woodpecker!Waehrend einer Wanderung bekommen wir auch den weltberuehmten Woody Woodpecker zu sehen, der gerade sein Mittagessen aus den Baeumen klopft. Einmal laeuft auch seelenruhig ein Fuchs mit Hoppelhaeschen in der Schnauze an uns vorbei! Nur einen Meter neben uns, voellig unbekuemmert wuerdigt er uns noch nicht mal eines Blickes. Nur uns faellt die Kinnlade vor lauter Schreck runter!

Unseren Camping-Kocher funktionieren wir zur Popcorn-Maschine um. Gemuetlich sitzen wir abends mit warmen Popcorn vor unserem Zelt. Im Freiluftkino laeuft bei uns jeden Abend dasselbe: Hoppelhaeschen am Fluss :-) Nur nachts wirds ganz schoen ungemuetlich, bei 1 Grad Innenzelttemperatur bibbern wir ganz schoen in unseren Schlafsaecken!

Das Einzige was uns nervt, sind die Tagestouristen, die den Nationalpark vom Auto aus durch ihre Fensterscheiben “geniesen” und noch nicht einmal fuer Fotos ihre Hintern aus dem Auto bewegen. Sie gucken uns ganz verwundert an, wenn wir mit unseren Rucksaecken und Wanderstoecken an ihnen vorbeilaufen.

Eisberge, Pinguine und ein schwimmender Tiger in der Antarktis

10. Februar 2008 19:55

Endlich sind wir an Board des russischen Eisbrechers M/V Polaris, der uns hoffentlich sicher zum weissen Kontinent und wieder zurueck nach Ushuaia bringen wird. Unser Bedenken ist nicht unbegruendet, denn die Polaris ist das Ersatzschiff fuer die im November in der Antarktis gesunkene “Explorer”, das bisherige Expeditionsschiff von G.A.P. Adventures, mit denen wir die Reise gebucht haben. Die Polaris wurde extra aus Murmansk in Russland auf die andere Seite des Globus nach Ushuaia “geschifft”. Es ist die erste Fahrt der Polaris, doch die Besatzung und die Guides sind z.T. noch die alten der Explorer, die uns wehmuetig von ihr erzaehlen. Von der Explorer konnten nur die Zodiacs (Landungsboote) gerettet werden, die jetzt auch auf der Polaris benutzt werden.

Ueberall Kotztueten an BordAbends legen wir ab und nach einigen Stunden Fahrt durch den Beagle-Kanal geht es fuer 2 Tage und 2 Naechte durch die “Drake-Passage”, mit die rauhste See der Welt. Schon beim Einstieg ins Schiff wird uns beim Anblick der vielen Kotztueten, die das ganze Schiff schmuecken, schlecht. Prophylaktisch schmeissen wir uns direkt einige Pillen ein, doch bei Alex nuetzen diese in den naechsten 48 Stunden auch nichts…. Alle Passagiere scheinen wie unter Drogen zu stehen, denn der Schiffsdoktor verteilt munter seine Pillen und alle Passagiere bewegen sich nicht ohne Kotztueten in den Haenden haltend an Bord.

Mit unseren Guides und unserer Gruppe haben wir super Glueck: Wir sind nur 32 Passagiere (normalerweise sind es 70 auf der Polaris, was auch schon eine kleine Gruppe fuer Antarktisexpeditionen waere, denn es legen auch Schiffe mit 400 Passagieren ab) und 7 Guides. Unsere Gruppe ist super jung und unsere Guides sind wahre Spezialisten auf ihren Gebieten (Ornithologen usw.). Nach 48 Stunden “Schiffsschaukel fahren” koennen wir am 3. Tag kaum unsere erste Landung auf antarktischem Boden erwarten. Wir sehen die ersten antarktischen Pinguine und verschieden Arten von Robben und Seeloewen. Aber noch bevor wir das Festland erreichen, koennen wir die Pinguine aus der Ferne schon riechen, die gerade ihre “Chicks” aufziehen. Ein wunderbarer und lustiger Anblick ist es, wenn die “Kleinen” (oftmals schon so gross wie die Eltern, aber noch schwimmunfaehig) ihrer Mama oder ihrem Papa schreiend hinterher rennen, um nach Fressen zu betteln. Dabei fallen sie oft auf ihre Schnaebelchen oder rammen sogar ihre Eltern um. Stundenlang koennen wir in den naechsten Tagen diesem Spektakel zugucken und haben unsere Freude dabei! In den naechsten vier Tagen gehen wir mit den Zodiacs 2x pro Tag fuer mehrere Stunden an Land, um das Tierleben zu beobachten. Natur Pur- hier gilt: Fressen und gefressen werden (Krill –> Pinguine –> Seeloewen/Moewen –> Wale ;-) )

Atemberaubend sind die riesigen Tafel-Eisberge, die nur zu 1/8 aus dem Wasser ragen, aber dennoch bis 50m ueber Wasser sichtbar sind und in den wunderschoensten Blautoenen schimmern. Am Rosenmontag unternehmen wir mit den Zodiacs einen Ausflug durch das Packeis, vorbei an riesigen Eisschollen und Eisbergen, auf denen Pinguine und Seeloewen faul rumliegen. Ein besonderes Erlebnis ist es, als wir uns mit den Zodiacs ohne Motorgeraeusche in der Stroemung des kristallklaren Wassers und dem Eis treiben lassen. Eine ungewoehnliche Stille, wir hoeren nur das Knacken des Eises!

Zurueck ans Schiff nehmen wir kleinere Eisbloecke mit. Kalte Grundlage fuer sehr spassige Vodka-Abende mit der russischen Besatzung und unserer Gruppe. Mit Anke, einem Maedel mit koelschem Blut, bringen wir allen anderen den koelschen Karneval naeher. Am Ende verstehen alle “Koelle Alaaf” (sprich: “Koelle, I love!”)

Wassertemp.: Null GradVon Land aus haben wir einmal die Gelegenheit, in der Antarktis schwimmen zu gehen. Daniel und einige andere unserer Gruppe fassen allen Mut zusammen und rennen vom Strand einer Vulkaninsel aus ins Null-Grad kalte Wasser. Der Koerper schreit vor Schmerz und keiner haelt es laenger als einige Sekunden im Wasser aus! Zum Glueck gibt es am Strand eine heisse Vulkanquelle. Abends wird Daniel dann von der Crew mit einer Urkunde fuer den “sexiest” Badedress und fuer die lustigste Art ins Wasser zu rennen ausgezeichnet. Grund hierfuer ist sein Tiger-Badehoeschen, welches am letzten Abend noch richtig beruehmt werden sollte…

Besonderes Glueck haben wir am letzten Tag. Nachdem wir die Tage zuvor schon aus weiter Entfernung Wale sehen konnten, begleiten uns einige Bottle-Nose-Wale sehr nahe am Schiff. Kurze Zeit spaeter schwimmen ca. 25 Delphine eine 3/4 Stunde lang direkt unter uns. Wir stehen direkt 2-3m ueber Ihnen am Bug und koennen ihre Spielchen im Wasser beobachten.

Alles fuer die Albatrosse :-)Am letzten Abend versteigern unsere Guides verschiedene Andenken der Tour (z.B. Schiffsflagge) fuer ein Projekt zur Erhaltung des groessten flugfaehigen Vogel der Welt, dem Wandering Albatross, mit einer Spannweite von 3,5m! Wir selbst sehen sehr viele dieser Jumbojets, doch die Art ist wegen Fischerei mit Fangleinen bedroht und jedes Jahr sterben 100.000 Voegel unnoetig. Daniel geht dem verrueckten Vorschlag drei Australier nach, nur mit der Tiger-Badehose bekleidet durch die Kneipen Ushuaias zu rennen und mit der ganzen Gruppe in einer Kotztuete Geld fuer die Albatrosse zu sammeln. 150$ kommen bis in die fruehen Morgenstunden zusammen. Die Albatrosse werden es ihm bestimmt danken!

Pinguine auf Eisscholle:

Springende Pinguine:

Gefraessige Pinguin-Kinder: