Archiv für 'Dezember, 2007'

Madidi Nationalpark im Amazonas

31. Dezember 2007 01:12

Wir sind in der Chalalan Ecolodge im Madidi Nationalpark in Bolivien, mitten im Amazonas Regenwald. Es war ein weiter und komplizierter Weg hierhin. Doch von vorne…

Weihnachten in CuscoNach der Schokolateria bleiben wir fuer Weihnachten in Cusco. Wir gehen an Heiligabend schoen essen, denken trotzdem aber die ganze Zeit an die Heimat, den Tannenbaum, leckeren Plaetzchen, Familie und Freunde… Am 1. Weihnachtstag nehmen wir dann einen Nachtbus, der uns nach 15 Stunden und einem problemlosen Grenzuebergang wieder zurueck nach La Paz / Bolivien fuehrt. Eigentlich haben wir von hier am selben Tag einen Flug in den bolivianischen Dschungel gebucht, doch dieser wird kurzfristig gecancellt. Wir aergern uns, doch als wir am naechsten Tag den Flug nehmen koennen und mitten im Dschungel auf einer Wiese landen, wissen wir warum der Flug abgesagt werden musste: es ist gerade Regenzeit und die ganze “Landebahn” steht Tags zuvor unter Wasser. Eigentlich soll der Flug nur 45 Minuten dauern und nach Rurrenabaque im Dschungel fuehren, doch als wir nach einer Stunde immer noch in der Luft sind und lustige Schleifen fliegen, faengt der Pilot wild an zu fluchen, sogar die Worte “Mayday, Mayday” fallen! Wir schauen uns an und wir werden kreide-bleich. Wir landen schliesslich auf einem anderen Feld und erfahren vom Piloten, dass der angefunkte Tower nicht besetzt war, weiss der Himmel wo der Fluglotse sich rumgetrieben hat. Nach dem aufregenden Flug gehts mit einem schrottreifen Bus zum eigentlichen Ziel: Rurrenabaque. Wir fahren ueber eine steinige Strasse, auf einmal gibts einen riesen Knall. Alle schreien auf, nur den Busfahrer kuemmerts nicht. Unser Reifen ist geplatzt, doch wir fahren froehlich weiter. In Rurrenabaque ist es tropisch, ueber 30 Grad, doch schlimmer ist die hohe Luftfeuchtigkeit: 95%! Wir bleiben hier eine Nacht und werden von einer deutschen Nonne, die wir im Flugzeug kennenlernen, zu Kaffee, Kuchen und Papagei-Watching in ihr Gemeindehaus eingeladen.

Guck-Guck!Am naechsten Morgen geht es dann endlich los: 5 Stunden flussaufwaerts mit einem Boot mitten in den Madidi Nationalpark, Teil des Amazonas. Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre, es regnet trotz Hitze in Stroemen. Doch wir haben Glueck, als wir in der Chalalan Ecolodge ankommen, haben wir strahlenden Sonnenschein. Es ist unbeschreiblich: um uns herum sind ueberall Tiere, lautes Affengeschrei, kraechzende Aras und andere bunte Voegel. Es ist wie im Paradies, doch wir sehen die Tiere zunaechst ueberhaupt nicht.

Unsere Lodge liegt direkt an einem grossen See mitten im Dschungel, von hier aus unternehmen wir viele kleine Wanderungen und Kanufahrten. Unser Guide findet und zeigt uns viele Tiere: Bruellaffen, Cappuccinoaffen, Gelbbrustaras, Taranteln, Kaimane, Pytons, komische Froesche und viele andere. Wir erfahren viel ueber traditionielle Heilpflanzen und Baeume, die noch heute von den Einheimischen im Dschungel benutzt werden. Daniel spielt auf einem sogenannten Trommelbaum Schlagzeug, leider fehlen die Freunde mit Gitarre und Gesangsbuch, und den Knoblauchbaum riecht man schon aus der Ferne.

Leider koennen wir nur zwei Tage hier bleiben, denn Silvester wollen wir in Rio de Janeiro feiern. Es waren zwei unvergessliche Tage im Dschungel, mit vielen Andenken (Mueckenstichen!). Wir hoffen, dass wir heil in Rio ankommen, denn wir haben 5 Fluege mit 3 verschiedenen Airlines.

Schokolateria in Karhuis

25. Dezember 2007 06:44

Als wir vor ca. 3 Wochen in unserem Hostal Frankenstein in Cusco Marita und Ludwig kennenlernen und sie uns von ihrem Vorhaben erzaehlen, beschliessen wir fuer Weihnachten wieder hierhin zurueckzukehren, wo immer wir dann auch stecken wuerden. Die beiden veranstalten jedes Jahre ein Hilfsprojekt in Karhuis, ein sehr armer Ort in den Bergen vor Cusco, wo ein grosses Schokoladenfest fuer die Kinder und Eltern gefeiert wird. Um es vorweg zu nehmen, es war eine gute Entscheidung und ein super Erlebnis!

Von La Paz in Bolivien fahren wir 15 Stunden zurueck nach Cusco in Peru, wieder vorbei am Titikakasee. Cusco ist weihnachtlich geschmueckt, nur so richtig Stimmung will bei uns nicht aufkommen, die Sonne knallt und es ist viel zu warm! Wir bereiten uns auf die Schokolateria vor, viele Zutaten fuer das Schokoladenfest sind bereits an Marita und Ludwig gespendet. Wir kaufen noch viele Lollis und Schokoladenbonbons in einem Supermarkt dazu und verpacken diese in ca. 100 kleinere Tueten. Weg nach KarhuisDie Fahrt auf der Ladeflaeche eines Pickups nach Karhuis in die Berge hinter Cusco ist eine ruppelige Angelegenheit, denn die “Strasse” ist eine Schlaglochpiste. Oft steigen Leute auf die Ladeflaeche dazu, die wir ein Stueckchen mitnehmen, einige Male laufen Kinder hinter uns her, denen wir die ersten Lollis schenken und die sich riesig darueber freuen. Nach ca. 1,5 Stunden erreichen wir Karhuis, die Strecke dorthin ist wirklich abenteuerlich, aber noch viel aufregender sollte die Rueckfahrt werden, dazu spaeter mehr…

In Karhuis quartieren wir uns in einer kleinen Farm ein, die ein Stueck unter dem eigentlichen Dorf von Karhuis liegt. Wir bereiten mit einigen wenigen Einheimischen die heisse Schokoladenmilch zu. Schokolade wird geschmolzen, mit heissem Wasser verschmischt, dazu Milch und Zucker geruehrt. Immer mehr Kinder und Eltern aus Karhuis und den umliegenden Farmen treffen ein, Mmmh, lecker!doch als das Fest eigentlich los gehen soll, faengt es in Stroemen an zu regnen. Der einzige Unterstand ist ein groesserer Viehstall, in den wir alle umziehen. Es ist zwar ein wenig eng, aber gemuetlich. Die Kinder strecken uns mit grossen Augen ihre Tasse zum Befuellen entgegen, Marita verteilt waehrenddessen kleine Panatones (Kuchen). Es ist kaum zu beschreiben, wie die Kinder (und auch Eltern) sich darueber freuen und jeder 2 bis 3 mal Nachschub holt. Als Highlight verteilen wir am Ende der Feier die kleinen Bonbon- und Schokoladentuetchen als Praesente, die Freude ist riesengross!

Das ganze Dorf schiebt an!Die Rueckfahrt ist dann alles andere als lustig: Der Regen hat die “Strasse” extrem aufgeweicht und unser Pickup hat eher Slicks als gutes Profil an den Reifen (aber das ist hier normal). Staendig heisst es runter von der Ladeflaeche und schieben, schieben, schieben. Was eigentlich ganz abenteuerlich klingt, ist manchmal ziemlich gefaehrlich, denn an einigen Stellen geht es links oder rechts ziemlich steil bergab. Zudem haben wir noch 3 Kinder, eine Mutter mit Baby, einen Hund und fuenf Huehner (in einem Sack) an Board! Als wir ein anderes Dorf im Regen passieren, bleibt unser Auto dann komplett im Matsch stecken. Doch schnell sind 30 bis 40 Leute aus dem Dorf versammelt, die uns dann aus der Patsche helfen! Nach 5 Stunden kommen wir Nachts wieder in der Zivilisation an, das Fazit: eine kaputte Stossstange und kaputter Blinker, ein platter Reifen, und das schoene Gefuehl, was Gutes und Sinnvolles getan zu haben.

“The World´s Most Dangerous Road”

24. Dezember 2007 22:28

Alex in PoseWeil wir in La Paz noch ein wenig Zeit bis zu unserer Rueckkehr nach Cusco zu Weihnachten haben, buchen wir eine Downhill-Fahrradtour auf der “gefaehrlichsten Strasse der Welt“. Die Strecke ist ueber 60km lang und fuehrt von 4.700m auf 1.300m hinunter, das sind 3.400m Hoehenunterschied in nur wenigen Stunden! Wir muessen nur selten in die Pedalen treten, die meiste Zeit koennen wir es auf unseren krassen Downhill-Bikes richtig sausen lassen (wir sind die schnellste Gruppe und kommen als Erstes unten an ;-)). Es macht unendlich viel Spass, vor allen Dingen die Fahrt durch die Wasserfaelle, die auf die Strasse plaetschern, und durch Gebirgsbaeche, die staendig die Strasse queren, bereiten uns nicht nur nasse Fuesse! Das Ziel, Coroico, ein kleines Dorf in den Yungas ist super relaxed. Wir bleiben hier spontan noch fuer eine Nacht, abends gibts in einem deutschen Restaurant lecker Hausmannskost: Wiener Schnitzel mit Spaetzle!

Salar de Uyuni

20. Dezember 2007 03:20

Die Salar de Uyuni in Bolivien ist die groesste und hoechst gelegene Salzwueste der Welt. Uyuni ist der Ausgangsort fuer eine 3-taegige Jeeptour durch die Salzwueste. Als wir dort nach einem Tour-Anbieter suchen, finden wir vor lauter Baeumen den Wald nicht. Es gibt hier 84 Tour-Anbieter!!! Die ganze Stadt besteht nur aus deren Bueros und einigen wenigen Hotels. Wir erkundigen uns bei einigen nach deren Konditionen, doch so richtig gluecklich sind wir mit den Angeboten nicht. Zum Glueck sehen wir gerade eine Gruppe von der Tour zurueck kommen, wir erkundigen uns bei ihnen und erfahren nur Gutes ueber deren Touranbieter. Bei diesem buchen wir dann schliesslich die Tour fuer den naechsten Tag.

Die Salzwueste ist gigantisch und endlos weit, wir fahren stundenlang mit unserem Jeep ueber die weisse Salzkruste und sehen kein Ende. Mitten in der Wueste liegt ploetzlich die Isla de Pescada mit ihren Riesenkakteen, von wo aus wir eine tolle Aussicht haben.

Leider verlassen wir am 2. und 3. Tag die Salar de Uyuni, der sandige und steinige Weg fuehrt insgesamt 550km durch wuestenaehnliches Gebiet mit vielen wunderschoenen farbigen Lagunen, Geysieren und natuerlichen Thermalpools, in die Daniel natuerlich reinspringen muss. Wir sehen unterwegs viele Flamingos, Lamas und sogar einen Nandu (Strauss).

Die 12-stuendige Nachtfahrt nach La Paz ist die schlimmste unserer ganzen Reise. Die ersten 7 Stunden fahren wir nur ueber eine holprige unbefestigte “Strasse”. Wir koennen kein Auge zumachen, der ganze Bus droht vor lauter Rappelei auseinander zu fallen. Um 8 Uhr am naechsten Morgen kommen wir ziemlich fertig in La Paz an, wo wir uns direkt in ein Hotel einquartieren und den ganzen Tag durchschlafen.

Die Minen von Potosi

15. Dezember 2007 03:43

Potosi ist die hoechstgelegenste Grosstadt der Welt auf ca. 4.000m Hoehe. Hier gibt es die groesste Silbermine Boliviens, die die Stadt schon vor hunderten von Jahren reich gemacht hat. Aber zu welchem Preis?! Seitdem sind 8.000.000 Menschen (!!) in der Mine oder an den Folgen der Minenarbeit gestorben, und noch heute stirbt im Durchschnitt jeden Tag ein Mensch dort. Wie schlimm und wie hart die Arbeit ist, koennen wir am eigenen Leib erfahren, als die Minen besuchen. Mit einem ehemaligen Minenarbeiter, der sich dem Tourismus zugewandt hat, gehen und kriechen wir durch einige der tausenden dunklen Gaenge der Mine. Die Luft ist total staubig, zudem wird es immer waermer je weiter und tiefer wir in den Berg steigen, da es kein Belueftungssystem gibt. Alex kriegt nach einer halben Stunde in der Mine nur noch schlecht Luft und kehrt mit einem einem anderen Minenfuehrer um. Daniel kriecht bis in die 3. Etage mit ab und kann den Minenarbeitern bei der harten Arbeit zusehen und die Eindruecke sind wirklich krass: Jeden Tag arbeiten 15.000 Minenarbeiter 8-10 Stunden ohne Atemschutz und Helm fuer ihren Reichtum. Sie verdienen im Verhaeltnis zur restlichen Bevoelkerung verdammt viel Geld, aber ihr Leben ist auch umso kuerzer, da fast alle nach 10 Jahren Minenarbeit an der Staublunge sterben. Selbst Kinder arbeiten dort, obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist. Die Arbeiter koennen in der Mine nicht essen, deshalb kauen sie staendig Coca-Blaetter, was man auf unseren Fotos an den “dicken Backen” sieht. Als Dankeschoen fuer den Besuch erwarten die Minenarbeiter eine Tuete voller Coca-Blaetter, die wir natuerlich fuer sie auf dem Markt kaufen (und selbst probieren ;-) ) Daniel ist nach 2 Stunden in der Mine aber auch froh, wieder Tageslicht zu sehen und reine Luft zu atmen! Den ganzen Tag ueber husten wir noch!

Dynamik-StandEine kleine Gaudi gibts am Ende der Fuehrung noch, als wir Dynamit selber kaufen koennen (Potosi ist der einzige Ort der Welt, an dem es frei verkaeuflich ist!). Unser Guide praepariert das Dynamit mit einer Zuendschnur, drueckt uns dann die brennende Lunte fuer ein Foto in die Hand, rennt danach mit der “Bombe” ins Feld, und einige Sekunden spaeter gibts ein riesen Knall und eine wahnsinnige Druckwelle!