Archiv für 'November, 2007'

Santa Cruz Trek

18. November 2007 03:08

Nach der schlechten Erfahrung mit der letzten Nachtbusfahrt in der Economy-Class goennen wir uns diesmal einen Luxus-Reisebus, der zwar doppelt so teuer ist aber mit umgerechnet 20$ fuer europaeische Verhaeltnisse ziemlich guenstig ist. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sogar so krass, wie wenn man in die USA einreisen wuerde, wir muessen Fingerabdruecke abgeben! Wichtiger ist uns jedoch, dass diesmal der Bus durchfaehrt und unterwegs keine Langfinger ein- und aussteigen koennen!

zwei EselWir fahren nach Caraz, einem Dorf mitten in der Cordillera Blanca. Es gibt hier drumherum mehr als 50 Berge ueber 5700m, und jede Menge schoener Trekking-Wege. Einen davon, den 4-taegigen Santa Cruz Trek, wandern wir. Wir packen unsere Rucksaecke mit den wichtigsten Sachen (Zelt, Schlafsaecke, Isomatten, Kocher und Essen fuer 4 Tage) und lassen alles Unnuetze in Caraz zurueck. Der Wanderweg ist sehr anstrengend, aber auch sehr schoen.

Eselstau, was tun?Einmal versperren uns faule Esel den Weg, doch Alex hat die glorreiche Idee die Esel als Packesel fuer unsere Rucksaecke zu missbrauchen. Gesagt, getan, oder besser: versucht. Denn die Esel bleiben wie angewurzelt stehen. Auch die Bestechung mit 3 wertvollen Toastbrotscheiben lassen den bepackten Esel nur 10m nach vorne bewegen. Eine erste Hochrechnung ergibt, dass wir den Esel entweder weitere 100m locken koennen, oder die naechsten 3 Tage Fruehstueck haben. Wir entscheiden uns fuer Letzteres, also Rucksaecke wieder auf und weiter gehts.

Am 3. Tag erreichen wir endlich den Pass “Punta Union” auf 4750m Hoehe. Normalerweise hat man von hier aus einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden schneebedeckten Berge, doch bei uns regnet bzw. schneit es in dieser Hoehe, so dass wir uns mit einem Postkartenmotiv zufrieden geben muessen. Nur einmal, als Daniel aus Spass das Lied “Sonne” seiner Band Jenseits anstimmt, kommt tatsaechlich kurz die Sonne raus! Fast schon ein wenig kitschig, aber unter uns im Tal erscheint ein Regenbogen!

Der Abstieg ist schwierig, da es in einer Tour regnet und die Wege zu Baechen werden. Das ein oder andere Mal rutscht Alex aus und streckt alle Viere in die Hoehe und strampelt dabei wie ein kleiner Kaefer auf dem Ruecken. Die letzte Nacht schlagen wir unser Zelt auf einem Moor auf, weil wir es nicht mehr bis zu dem offiziellen Zeltplatz schaffen. Weils draussen regnet kochen wir diesmal im Zelt leckere Spaghetti mit Thunfischsosse (wie bereits die Tage zuvor)!

mit ca. 20 Leuten!Einen Schocker erleben wir noch am letzten Tag, als wir uns von einem voellig ueberfuellten Minibus (normal 9 Leute, diesmal geschaetzte 20!) vom Zielort des Treks nach Caraz zurueckfahren lassen. Die 20$ Eintritt in den Nationalpark muessen wir eigentlich auf der Rueckfahrt an einem Kontrollpunkt zahlen. Der Fahrer schleust uns durch die Kontrolle, indem die Fenstervorhaenge zugezogen werden und wir uns ducken muessen. Alles geht sehr schnell und wir denken uns zunaechst nichts dabei. Spaeter, als wir dann aus dem Bus aussteigen und unsere Rucksaecke vom Dach des Minibus holen wollen, verlangt der Fahrer 10 Soles (ca. 3$) pro Person fuer die Fahrt plus 30 Soles fuer das Schleusen, obwohl wir nie danach verlangt haben oder das abgesprochen gewesen waere. Wir zahlen natuerlich nur fuer die Fahrt! Der Fahrer will unser Gepaeck nicht herausgeben, und als Daniel dann selbst auf das Dach steigt, um die Rucksaecke zu holen, eskaliert die Situation: Der Busfahrer wird handgreiflich, will das Geld, doch Daniel wehrt sich und bruellt auf deutsch und englisch um sich. Schnell ist eine Menschentraube um den Bus versammelt und ist uns gegenueber hilfsbereit. Wir bekommen das Gepaeck, einige Leute notieren sich das Kennzeichen und begleiten uns zur Polizeistation, die zum Glueck direkt um die Ecke ist. Dort erklaert Alex mit Muehe und Not auf Spanisch die Situation (keiner spricht nur ein Wort englisch). Wir warten 2,5h im gleichen Raum mit dem Fahrer, der direkt geschnappt wird, bis endlich der Kommissar eintrifft. Doch das Ende der Geschichte ist, dass wir beruhigt werden (indem wir nicht den Park-Eintritt zahlen muessen) und angeblich ein “Report” gegen den Fahrer erstellt wird. Tja, schwarze Scharfe gibts ueberall.

Huanchaco & Chan Chan

02:05

Nach etlichen Stunden anstrengender Bussfahrt kommen wir in Huanchaco an, ein kleines Fischerdorf und einem von vielen Surferparadiesen an der pazifischen Kueste Perus. Huanchaco ist beruehmt dafuer, dass die hier ansaessigen Fischer immer noch die nach uralter Tradition hergestellten Schilf-Boote, sogenannte Caballitos, benutzen. Sie wurden schon vor 2500 Jahren benutzt und weil die Fischer auf den Weg zurueck zum Ufer damit auf den Wellen reiteten, gelten sie als die Erfinder des Wellenreitens.

Daniel Hasselhoff ;-)Mit dem Wellenreiten versucht es auch Daniel. Mit einem Surflehrer und einigen anderen Touris werden am Strand auf den Wellenreit-Boards liegend zunaechst die Grundlagen geuebt, bevor es im Wasser die ersten echte Versuche gibt. Anfangs unterstuetzt noch der Surflehrer, indem er im richtigen Moment den entscheidenden Schubs auf die brechende Welle gibt. Einige Male klappt es auch so gut, dass Daniel es auf dem Board stehend bis fast zum Strand schafft. Spaeter, ohne Unterstuezung, geht dann ueberhaupt nichts mehr. Der Surflehrer hat wohl verschwiegen, dass dicke Oberarme das entscheidende Kriterium sind, um schnell anpaddeln zu koennen und die Welle zu bekommen. Da fehlt es Daniel dann doch ein wenig ;-)

Chan-Chan RuineAusserdem besichtigen wir die Chan-Chan Ruine unweit von Huanchaco. Die Stadt gehoerte zu dem Chimu-Reich und wurde vor der Eroberungung durch die Inkas zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert nur aus Lehm-Steinen gebaut. Sie galt damals als die groesste Stadt der Welt. Bisher wurde nur der Palast eines Koenigs der Chan-Chan Stadt ausgegraben, viele weitere passieren wir jedoch auf einer Busfahrt, die vermutlich fuer immer unter Sand vergraben liegen bleiben, weil das noetige Geld fuer Ausgrabungen fehlt.

Fahrt nach Peru

10. November 2007 04:39

Bienvenidos PeruNach dem Nariz del Diablo fahren wir weiter nach Cuenca, der schoensten Stadt Ecuadors. Abgesehen von ein wenig Sightseeing und Shopping (wir bekommen endlich unser Campinggas) bleiben wir hier nicht lange. Nach 6 Wochen Ecuador brechen wir nach Peru auf! Ueber Loja, ganz im Sueden Ecuadors, geht es mit einem Nachtbus ueber die Grenze. Nachdem wir von anderen Reisenden ziemlich viele Horrorgeschichten ueber den Grenzuebertritt an der Kueste (Abzocke, Raub, Ueberfaelle usw.) erzaehlt bekommen haben, entscheiden wir uns weiter im Landesinneren ueber die Grenze zu gehen. Mitten in der Nacht werden wir an der Grenze geweckt, und alles funktioniert auch reibungslos, zunaechst… Am naechsten Morgen in Peru werden wir hektisch geweckt: der Bus ist beraubt worden! Schnell schauen wir nach unserem Hab und Gut, uns fehlt zum Glueck nichts. Aber Derek, unser Schotte, hat jetzt keine Meindl-Wanderschuhe mehr! Und ein ecuadorianischer Junge kein Geld mehr in der Tasche. 80$ fehlen ihm, was in Suedamerika verdammt viel Geld ist, er ist fix und fertig. Obwohl uns nichts fehlt, sind wir auch geschockt, denn bei unserer ersten Nachtfahrt ist ES gleich passiert. Wir haben unsere Sachen gut verstaut, doch die naechsten Male werden wir bei Nachtfahrten noch vorsichtiger sein muessen und unser Handgepaeck und Schuhe mit einem Drahtseil anketten.

La Nariz del Diablo

04:18

Fahrt auf dem DachDer Nariz del Diablo ist eine uralte Zugstrecke, die frueher einmal ganz Ecuador durchquerte. Nach zahlreichen Erdbeben wird heute nur noch ein kleineres Teilstueck fuer Touristen “gewartet” und befahren, die beruehmte “Teufelsnase”. Dabei faehrt der Zug im Zick-Zack-Verfahren mehrere Spitzwenden, um eine steile Bergwand schnell zu ueberwinden. Dieses Teilstueck fahren wir auch, allerdings nicht mit der traditionellen Bahn, denn die ist ausgebucht, sondern mit einer kleineren Touri-Variante, die aber auch voll ok ist. Eigentlich ist es seit einigen Wochen verboten, auf dem Dach des Zuges mitzufahren, seitdem zwei Japanerinnen stehend auf dem Dach von einer Hochspannungsleitung gekoepft wurden (so lautet das Geruecht jedenfalls). Unser Schaffner hat seinen eigenen Geschaeftssinn und laesst alle Passagiere fuer einen Dollar aufs Dach hinauf, den er sich natuerlich in seine eigene Tasche steckt. Auf dem Dach sitzend macht es dann gleich auch doppelt so viel Spass das steile Teilstueck herab und hinauf zu fahren und die Landschaft drumherum ist super schoen.

FHDW-TreffenDaniel, am anderen Ende der Welt, denkt an nichts boeses, schon gar nicht an die alte FHDW-Studienzeit, und wer laeuft Daniel am Bahnhof ueber den Weg?! Rebecca, eine ehemalige Studienkollegin, die mit Ihrem Freund Thomas ebenfalls fuer ein Jahr auf Weltreise ist! Die Welt ist ein Dorf!

Baños - touristisch, aber erlebnisreich

8. November 2007 04:56

Vulkan TungurahuaBaños ist eine kleine touristische Stadt am Fusse des Vulkans Tungurahua, der 2006 das letzte Mal ausgebrochen ist und staendig qualmt. Ausserdem ist Baños -wie der spanische Name schon sagt- fuer seine heissen Baeder bekannt. Das Wasser fuer die Schwimmbaeder kommt direkt aus den tiefen des Vulkans. Von den Pools aus hat man einen schoenen Rundumblick auf die umliegenden Berge und einen grossen Wasserfall.

Mit Derek, mit dem wir seit dem Cotopaxi ein Stueck zusammen reisen, und einem Paaerchen aus London, machen wir Samstag Abend die Stadt unsicher. Wir lassen an diesem Abend den bloedsten Touri raushaengen und fahren mit einem Phantasialand-aehnlichem langen Gefaehrt im Flintstones Outlook quer durch Baños und freuen uns wie kleine Kinder!

Tief im RegenwaldAusserdem leihen wir uns in Baños mit Derek und einem Neuseelaender Mountainbikes aus und fahren ca. 50km Richtung Osten nach Puyo, eine sehr schoenen meist abwaerts fuehrende Strecke vorbei an unzaehligen Wasserfaellen. Die letzten 20km fuehren in den tropischen Regenwald, der total urig ist und wo wir fuer uns unbekannte Voegel hoeren und sehen. An einigen Stellen ist der Weg so matschig oder verschuettet, dass wir unsere Raeder tragen muessen, auch durch Fluesse, und wir sind das erste Mal froh dass wir hoffentlich alle Impfungen haben, denn die Muecken moegen unser koelsches Blut sehr gerne!

Gondelfahrt ueber einen Wasserfall: