Archiv für die Kategorie 'Australien'

14.757 km Diesel & Dust: ein Rueckblick

26. Juli 2008 04:00

Nach drei Monaten muessen wir heute Australien verlassen, denn unser Touristenvisum ist keinen Tag laenger mehr gueltig. Australien war fuer uns ein Land der Superlativen:

  • Wir lernen die gastfreundlichsten Menschen kennen, wo Gespraeche oft ueber den Standard-Kennenlern-Smalltalk hinausgehen (”Where did you start, where are you going to?”, “How many tire blow-outs have you had?”, “Where are you from?” …”Germany”… “Ahh, Germans… There are a lot of Germans!”). Viele laden uns nach Hause ein oder geben uns deren Adresse zum Besuch. Ein Ehepaar, das gerade auf Reise ist, will uns sogar deren Haustuerschluessel mitgeben, obwohl sie selbst noch unterwegs sind! Viele australische Reisende zaehlen zu den “Grey Nomads” - pensionierte Australier, die hinter ihrem dicken Jeep oft mehr als ihr ohnehin schon ueberdimensionales Wohnmobil herziehen. Die Kombination Wohnmobil (manchmal auch ein alter umfunktionierte Schulbus) mit doppelstoeckigem Anhaenger sehen wir oft: oben eine Motorjacht, unten ein kleiner Jeep. Ein aelteres Ehepaar hat sogar ein zusammen-klapbares Flugzeug dabei!
  • Australien wird fuer uns als das Land der roten Erde in Erinnerung bleiben. Nach vielen tausend Kilometer, auch auf unbefestigten staubigen Strassen, sitzt der “Red Dust” tief in unseren Klamotten und Auto. Apropos Auto: Abgesehen von zwei geschrotteten Autobatterien und zuletzt totalem Blinkerausfall hat unser Thing-Thong tapfer mitgehalten, obwohl wir ihn auf dem Oodnadatta Track und in den Kimberleys ziemlich beansprucht haben. Nur einige unwichtigere Schrauben von Haltegriffen und Rueckspiegel sind uns um die Ohren geflogen. Und ein Blinkerausfall im Outback, wo es nur alle paar hundert Kilometer eine Abzweigung gibt, ist auch nicht so wild!
  • Australien und die faszinierende einzigartige Tierwelt! Koala-Baeren, Tasmanische Teufel, Krokos, Wallabies & Kaengeruhs zu Hunderten (lebendig oder als “Roadkill”), aber vorallem die Kakadus und Sittiche werden wir am meisten vermissen.

Nach 14.757 km wissen auch wir: Australien ist nicht nur ein Land, sondern ein Kontinent! :-) Die Distanzen zwischen zwei Orten sind so enorm. Bei Entfernungen, wo man in Europa schon mehrere Laender bereisen koennte, trifft man hier alle 200-300km auf ein Roadhouse (zu deutsch “Tank & Rast”) oder hoechstens auf ein Dorf mit einer handvoll Menschen. Wie entlegen alles war, faellt uns kurz vor Perth noch einmal auf, als wir nach Wochen wieder eine Ampel vor uns haben!

Go West

24. Juli 2008 16:15

Am Ningaloo ReefVon Broome gehts weiter entlang der Westkueste zum Ningaloo Reef, das Pendant zum Great Barrier Reef an der Ostkueste. Hier gibt es viel Sonne, weissen Sand und tuerkis-farbenes Wasser. Ein Traum, wenn nur nicht Schulferien in Australien waeren. Dementsprechend sind freie Campingplaetze hier sehr rar - doch wir haben Glueck und bekommen ein lauschiges schattiges Plaetzchen. Von hier aus haben wir Blick auf den Indischen Ozean. Jeden Morgen und Abend bekommen wir “Besuch” von einem Kakadupaaerchen, was mit uns fruehstueckt und zu Abend isst. Daniel sieht beim Schnorcheln (das Korallenriff ist keine 100m vom Strand weg) die buntesten Fische und schwimmt mit Haien. Keine Angst, es sind nur die “White-tipped Reefsharks” die wir schon von Galapagos kennen. In der Ferne sehen wir viele Wale und Delphine, die aus dem Wasser springen. Daniel versucht einmal zu ihnen zu schwimmen, doch leider verpasst er sie. Wahrscheinlich sind sie nach Monkey Mia geschwommen. Hier kommen jeden Morgen puenktlich um 8 Uhr einige Delphine zum Strand geschwommen, die von den Touris mit leckerem Fisch gefuettert werden. Schon toll, wenn man knietief im Wasser steht und einem die Delphine um die Beine schwimmen. Doch noch lustiger finden wir die Pelikane, die auf ihre Fischration mit offenen Schnaebeln warten. Alex kommt einem Pelikan zu Nahe bzw. dem Fischeimer. Blitzschnell reisst der den Schnabel auf, um zu signalisieren: “Hey, das ist mein Eimer!” Ok, ok, nix wie weg! Mensch ist der Schnabel gross, Alex hat sich richtig erschreckt.

Mit Steffi und Ulf, zwei Oldenburgern, fahren wir durch den Francoise Peron Nationalpark. Mal wieder eine Sandpiste! Und wir haben ja gelernt, also lassen wir fleissig Luft in den Reifen ab, um nicht noch einmal Thing Thong frei buddeln zu muessen. Wir 4 haben richtig viel Spass auf der Strecke. Abends campen wir direkt am Meer. Zusammen fahren wir noch zur Shell Beach, ein Strand aus Milliarden kleiner Muscheln. Von hier trennen sich leider unsere Wege wieder.

Richtung Perth wird es wieder richtig kalt. Hier ist Winter, was stuermische 15 Grad bedeutet. Dabei hatten wir vor einigen Tagen noch 35 Grad und mehr! In Perth geben wir dann unseren Thing Thong ab, der uns zwei Monate begleitet hat. Wir sind schon froh, endlich mal wieder in einem “richtigen” Bett zu schlafen. Hier bleiben uns ein paar Tage, bevor unser naechster und letzter Abschnitt mit Asien beginnt: Indonesien!

Gibb River Road & The Kimberleys

11. Juli 2008 12:21

Nach einigen relaxten Tagen in Darwin (abgesehen von der verkorksten EM-Final-Nacht) beginnen wir nun unseren Weg Richtung Perth. Ein wenig unterschaetzt haben wir die langen Distanzen schon, denn es sind noch einige tausend Kilometer, die bis dahin zu fahren sind.

giftige Toadkroeten, Plage in AussieAn der Grenze vom Northern Territory (Darwin) nach Western Australia (Perth) gibt es wieder einmal strenge Lebensmittelkontrollen, doch nach unserem “Reste”-Essen in den letzten Tagen muessen wir nur noch Honig und Knoblauch-Zehen abgeben. Die groesste Panik haben die West-Aussies aber vor der Toad-Kroete, die vor Jahrzehnten an der Ostkueste zur Bekaempfung von Insekten ausgesetzt wurde, aber nun selber zur Plage geworden ist. Sie ist giftig, und alle Tiere, die sie fressen, sterben an ihrem Gift. Sogar Krokos muessen ihr Leben lassen. Die einzige Kreatur, die die Speise ueberlebt, ist eine schlaue Kraehenart, die die Kroete vorher auf den Ruecken dreht und von unten auspickt und so nicht an die Gifttaschen neben den Augen kommt. Aber jetzt genug Bio!

Da hier im Moment Trockenzeit ist, und wir ueber jeden Kroko-freien Tuempel dankbar sind, kommen uns die Wasserfaelle in den Kimberleys gerade recht. Wir fahren auf der “Gibb River Road” mit einigen Abstechern zu den unzaehligen Gorges (Canyons) und Wasserfaellen. Die “Strasse” ist mit unseren Side-Steps eine 1000km lange Sandpiste. Unsere Lungen, wie auch unsere Klamotten, sind jeden Abend mit rotem Staub bedeckt. Wir hoeren uns schon an wie Asthma-Kranke!

Die Landschaft ist hier wieder anders, als in den Nationalparks zuvor. Hier gibt es die Boab-Trees, die vor einigen Jahrzehnten als Aboriginal-Gefaengnisse dienten. Einige von Ihnen sind 1500 Jahre alt und haben einen Umfang von 14 Metern!

Suesswasser-KrokoEinige Wasserloecher ueberlassen wir dann doch den Freshies (Suesswasserkrokodile), die hier in der Sonne doesen und rumschwimmen. Obwohl die “Suessen” relativ ungefaehrlich sind (”Die beissen nur, fressen dich aber nicht auf”, meint ein Australier zu uns), bleiben wir lieber im Trockenen. Nur die Salties haben ab und zu Appetit auf ein Menschenbeinchen oder Aermchen.

Nach 5 Tagen haben wir das Ende der “Gibb” in Derby erreicht. Hier besuchen wir ein Aboriginal-Festival mit Taenzen und Musik. Sehr interessant, aber stellenweise auch etwas chaotisch (einige Taenzer gehen, weil sie ihren Tanz nicht koennen, von der Buehne und beim Aboriginal-Chor hoert man sogar die Krokodile heulen).

Nur knapp 200km weiter liegt Broome. Hier ist gerade Hochsaison, und alle Campingplaetze sind hoffnungslos ueberfuellt. Da bleibt uns als Auswegsmoeglichkeit nur noch der “Pistol Club” als Notherberge. Nachmittags ist es hier sehr idyllisch, nur ab 18 Uhr kommt man sich vor wie im Krimi, ueberall wird rumgeballert! Da bleibt nur die Flucht in die Stadt und ans Meer.

Schni-Schna-Schnappis im Kakadu Nationalpark

27. Juni 2008 08:03

Bevor wir es einmal durch Australien geschafft haben (unser Kilometerzaehler zeigt schon knapp 7000km), erkunden wir den riesigen Kakadu Nationalpark, einige hundert Kilometer vor Darwin. Mittlerweile sind selbst die Naechte ziemlich warm, so dass wir es im Auto zum schlafen nicht mehr aushalten. In der ersten Nacht, in der wir noch bei offenen Fenstern im Auto schlafen, wird Alex regelrecht von Mosquitos massakriert. Am naechsten Morgen hat Alex 50 Stiche auf EINER Pobacke. Daniel lacht sich kaputt, denn er hat keinen Einzigen. Von nun an schlafen wir draussen in unserem Innenzelt, durch das wir auch auf den schoenen Sternenhimmel gucken koennen.

Im Nationalpark laufen wir durch wunderschoene Canyons und schwimmen unter Wasserfaellen her, aber nur in definitiv Krokodil-freien Tuempeln. Unsere ersten Salties (die gefaehrlichen Salzwasserkrokos) sehen wir bei einer Bootstour ganz frueh morgens auf dem Yellow River. Unser “erster” Saltie ist stolze 5 Meter lang und direkt neben dem Boot! Weils so frueh morgens ist, und sich die Krokos noch nicht in der Sonne aufgewaermt haben, liegen alle faul im Wasser rum. Bei einigen sieht man nur die beiden Glubsch-Augen aus dem Wasser gucken. Es ist ein wahres Tier-Paradies hier, tausende Voegel (Stoerche, Seeadler, Enten, Reiher), Wasserbueffel, und natuerliche wieder nervige Mosquitos, die sogar durch die Jeans stechen.

Obwohl Thing Thong recht wassertauglich ist, kommen wir auf einem Track zu den beiden schoensten Wasserfaellen hier im Park nicht weiter. Wir wollen es nicht wagen durch einen 1m tiefen Fluss zu fahren. Als wir gerade schon umkehren wollen, fragt uns ein australisches Paaerchen, ob wir mit in ihrem Jeep fahren moechten. Wir nehmen ihr Angebot an und verbringen einen schoenen Tag mit den beiden und ihrer Kleinen.

Als wir am naechsten Tag ein Stueckchen durch den Park weiter fahren wollen, faellt Alex durch Zufall ein, das das Halbfinale die kommende Nacht statt findet (sehr verwirrend durch die Zeitverschiebung). Panik tritt in Daniels Augen und wir fahren im Eiltempo am Abend noch 250 km weiter durch den Nationalpark bis nach Darwin. Hier finden wir, wir koennen es selbst kaum glauben, eine Bar, in der das Spiel um 4.30 Uhr uebertragen wird. Aus Profitgruenden muessen wir schon um 2.00 Uhr da sein, danach kommt man nicht mehr rein. Schlaftrunken sitzen wir hier mit hundert anderen Deutschen und nur 3 Tuerken rum bis es dann endlich los geht. Die Stimmung ist super und Gaensehaut-Feeling pur, als beim 2:1 und Bildausfall keiner den englischen Kommentator versteht, wer nun das Tor geschossen hat. Es ist Mucks-Maeuschen still bis der Kommentator sagt: “At this moment Germany is qualified!” Auch wenn um 6.30 Uhr morgens “Deutschland-Deutschland” und “FI-NA-LE”-Rufe durch die Strassen hallen, wir vermissen schon in Koeln mit Freunden die Spiele zu gucken.

“You’re in the bush, man!”

22. Juni 2008 04:40

Kurz vor Alice Springs suchen wir noch einmal das Abenteuer, als wir Thing Thong in die Knie treiben und uns gewissermassen auch. Wir stecken in einem trockenen Flussbett tief im Sand fest, das vorher so unscheinbar aussah. Gut 2 Stunden brauchen wir, um Thing Thong mit unseren Kochtoepfen wieder auszubuddeln, die Fahrspur mit Aesten und Gestruepp auszulegen, um hoechstens 10m weiter wieder genau so tief stecken zu bleiben. Wir denken schon hier die Nacht verbringen zu muessen, als zwei Australier mit einem “richtigen” Jeep vorbei kommen und uns rueckwaerts rausschieben. Wir bedanken uns mit unserer letzten Haribo-Phantasia-Tuete bei den beiden und schaffen es doch noch nach Alice (welch ein Opfer, Aldi gibt es nur an der Ostkueste).

In Alice bleibt uns trotz grosser Bemuehungen das letzte Deutschland EM-Gruppenspiel verwehrt, also sind wir mal wieder froh am naechsten Morgen per Sms auf dem Laufenden gehalten zu werden (Anstoss ist hier um 4.45 Uhr).

Unser naechstes grosses Ziel ist der Kakadu-Nationalpark und Darwin ganz oben im Norden. Doch die 1600km von Alice muessen erst einmal gefahren werden. Zum Glueck gibt es auf dem langen Weg einige schoene Haltepunkte, denn die Strasse ist nicht besonders unterhaltsam. Wenn eine Kurve kommt, ist dies schon eine Abwechslung, ansonsten geht es immer nur gerade aus. Meistens sieht man die Strasse als Punkt am Horizont verschwinden. Im Schnitt kommt alle 200km ein Doerflein, das mit 3000 Einwohnern schon eins der Groessten ist. Man versuche sich das einmal in Deutschland vorzustellen!

Bitter SpringsUnseren absoluten Lieblingsort hier in Australien finden wir rein zufaellig: die Bitter Springs in Mataranka. Eine 34 Grad warme Quelle, mit 300 Litern pro Sekunde, fliesst durch einen unwirklich erscheinenden Palmenwald. Nach der langen Fahrt durch die Wueste kommt uns dies wie eine Oase vor. Wir schwimmen mit der Stroemung durch das kristallklare tuerkis-farbene Wasser, vorbei an Seerosen und Palmen, unter uns schwimmen kleine Rothals-Schildkroeten, ueber uns unzaehlige Kakadus und Sittiche. Einfach zu schoen, um wahr zu sein!

Trotz diesem schoenen Ort steht unser Viertelfinal-Spiel an, und Daniel versucht wie verrueckt ein Fernseher mit mehr als den hier 4 ueblichen Programmen zu finden, der um 4.45 Uhr erreichbar waere. Klar! Nichts Leichteres als das. Die Antwort eines Polizisten, der Daniel in einer Alkoholkontrolle mitten im Outback “blasen” laesst, bringt es dann auf den Punkt, als dieser lachend antwortet: “Ha! You’re in the bush, man!”