Archiv für die Kategorie 'Kambodscha'

Traurige Vergangenheit in Phnom Penh und ein langer Weg nach Laos

20. September 2008 12:45

Von Battambang nach Phnom Penh (Hauptstadt Kambodscha) sind es 280km, die wir rein theoretisch mit einem Zug fahren koennten. Unsere Guides in Battambang erzaehlen uns, dass der Zug auf denselben Gleisen wie unser Bambootrain fahren wuerde (die Bambootrains werden dann von den Schienen gehoben). Im gluecklichsten Fall aller Faelle braucht der Zug “nur” 14 Stunden (20km/h!!). Nicht verwunderlich, so schlecht wie die Schienen sind. Also entscheiden wir uns fuer einen 6-Stunden Bus nach Phnom Penh; weniger spektakulaer, aber genauso anstrengend, denn wir werden mit der kambodschanischen Hitparade beschallt.

S-21In Phnom Penh setzen wir uns mit der tragischen Geschichte Kambodschas auseinander. 2.000.000 Kambodschaner wurden im Buergerkrieg von 1975-79 von der Khmer Rouge (Rote Khmer) getoetet; ein Viertel der Bevoelkerung! Wie grausam potenzielle Parteigegner (Politiker, Lehrer, Aerzte und andere Intellektuelle, wozu die Khmer Rouge auch Menschen mit Brille zaehlte) umgebracht wurden, sehen wir auf den “Killing Fields” und im “S-21“. Letzteres ist eine ehemalige Schule, die als Gefaengnis umfunktioniert wurde, in dem Informationen aus den Menschen unter Folter herausgepresst wurde, bevor sie auf den Killing Fields hingerichtet wurden. Fast nie mit einer Kanonenkugel, die waren der Khmer Rouge zu teuer, sondern mit Schaufel oder Hammer wurde der Schaedel zertruemmert oder die Opfer sogar lebendig begraben. Die Geschichte ist erschuetternd, vorallem, weil heute viele Verantwortliche bekannt sind und noch immer in Freiheit leben oder sogar in der Politik taetig sind!

In Phnom Penh bleiben wir vier Tage, weil wir auf unser Visum fuer Laos warten muessen. Zur Stadt ist sonst nicht viel zu sagen, ausser, dass es hier sehr viele sehr reiche Menschen gibt, was ueberhaupt nicht ins Bild des sonst ziemlich armen Kambodschas passt. Korruption faengt hier beim Tuk-Tuk Fahrer an und hoert beim hochrangigen Politikern auf.

ReifenwechselDer lange Weg zur Grenze nach Laos fuehrt am Mekong entlang. Der neu geteerten Strasse sind wir dankbar, auch wenn sie nicht so recht ins Landschaftsbild passt. Stundenlang begegnet uns kein Auto, nur Kuehe und Wasserbueffel ueberqueren die Strasse. Unserem schrottreifen Bus, in dem wir waehrend der gesamten Fahrzeit die einzigen Gaeste sind, wird unterwegs schnell ein platter Reifen gewechselt. Der “neue” Reifen ist ebenfalls total abgefahren, aber immerhin aufgepumpt! Unterwegs nach Laos machen wir fuer eine Nacht in Kratie Pause. Kratie liegt direkt am Mekong, und bei einer Bootstour koennen wir vom Aussterben bedrohte Suesswasser-Delphine sehen, die sich uns leider nicht wie Flipper praesentieren.

Kambodschanische Fortbewegungsmittel

15. September 2008 08:12

Alex unter PlaneMorgens um 6 werden wir bei stroemenden Regen auf einem Pick-up (!) zum Hafen gebracht, trotz einer Plane ueber uns werden wir pitsche-patsche nass. Unser versprochenes Speedboot von Siem Reap nach Battambang entpuppt sich dann als schrottreife Nussschale. Wegen dem starken Regen und herunterhaengenden Planen (es gibt keine Fenster) koennen wir zunaechst nichts von der schoenen Umgebung sehen. Spaeter hoert der Regen aber auf und wir sehen endlich die Floating Villages und deren Bewohner, an denen wir die ganze Zeit schon vorbei getuckert sind.

ReisnudelfabrikIn Battambang fahren wir mit zwei Guides zu den ”Killing Caves”, in denen waehrend des Khmer Rouge-Regimes in den 70igern tausende Kambodschaner auf brutalste Weise umgebracht wurden. Unsere Guides zeigen uns aber auch die schoene Seite von Kambodscha: Reisfelder, Tempel, eine familien-gefuehrte “Reisnudelfabrik” und den “Bamboo-Train”, auf dem wir selber mitfahren. Die Einheimischen benutzen ihn als Transport- und Fortbewegungsmittel zwischen den Doerfern. Ein wenig komplizierter wird es, wenn Gegenverkehr kommt (es gibt nur ein Gleis), denn dann wird einer der beiden Bamboo-Trains abgebaut und von den Gleisen gehoben, so dass der Andere passieren kann. Wir haben jedenfalls richtig Spass!

Bambootrain in Battambang:

Angkor, Wat?!

12. September 2008 07:32

Wir sind bei den Tempeln von Angkor in Kambodscha angekommen, mit dem groessten religioesen Gebaeude der Welt: Angkor Wat! Hunderte Tempelanlagen aus dem alten Khmer-Reich stehen hier auf einem riesigen Gebiet im Dschnungel verteilt. Zu einer Zeit als London gerade 50.000 Einwohner hatte, lebten hier ueber 1.000.000 Menschen. Seit dem Untergang des Khmer Reiches im 15. Jhdt. sind die Tempel der Natur ueberlassen worden und der Dschungel ueberwucherte bis zur Wiederentdeckung alles.

An drei Tagen fahren wir von Siem Reap aus, der Stadt vor den Toren Angkors, mit einem Tuk-Tuk (Motorrad incl. Fahrer plus einer kleinen Kutsche hinten dran) von Tempel zu Tempel. Angkor Wat ist die Mutter aller Tempel und wirklich gigantisch gross.

Im Bayon-TempelIm Bayon-Tempel kommen wir uns staendig beobachtet vor. Ueber 200 aus Stein gemeisselte Gesichter schauen von den Tuermen des Tempels auf uns hinab. Hier treffen wir auch drei junge Moenche, die heute ihren freien Tag haben. Ansonsten studieren sie die Buddha-Lehre von 1 Uhr nachts bis nachmittags um vier im Tempel!

Unser Lieblings-TempelDer fuer uns mystischste Ort in Angkor ist der Ta Prohm Tempel, der vom Dschungel nicht ganz befreit wurde. Riesige Baeume wachsen auf den Tempeln und die Wurzeln schlingen sich an den Mauern herunter, alles ist verwuchert und miteinander verwachsen. Hier wurden auch einige Szenen fuer den ersten Tomb Raider Film gedreht. Abends im Hotel schauen wir uns mit einem kanadischen Paaerchen den Film an und stehen am naechsten Morgen selbst an den Drehorten.

Wir schauen uns dutzende andere Tempel an. Jeder ist anders und hat seine eigenen Besonderheiten. Nach drei Tagen haben wir viel gesehen, aber man koennte hier Wochen verbringen, so riesig ist das Gebiet.

Alex kauft ArmbaenderUnterwegs werden wir staendig von kleinen Kindern angebettelt, um Armbaender, Postkarten und kopierte Buecher zu kaufen. Einige Male lassen wir uns breit schlagen, denn von dem Geld wird oftmals die ganze Familie ernaehrt. Zur Schule gehen die Kinder leider nicht, weil die Familien das Geld dafuer nicht haben und auf die wenigen Dollar von den Kindern angewiesen sind.