Archiv für die Kategorie 'Chile'

Letzte Haltestelle: Osterinsel

19. März 2008 23:48

Spielereich mit der KameraZum Abschluss unserer Suedamerika-Reise verschlaegt es uns auf einen kleinen einsamen Punkt mitten im Pazifik, auf die Osterinsel. Die Insel ist einer der abgelegensten bewohnten Orte der Welt, das Festland (Chile) ist 3500 km weit entfernt, weiter nach Tahiti sind es 4200 km und bis zur naechsten bewohnten Insel sind es immerhin noch 2000 km. Um uns herum nur Ozean, und Suedsee-Flair! Die relaxte und unbeschwerte Art der Insel und Einwohner gefaellt uns auf Anhieb. Schon am Flughafen der Insel werden fast alle Passagiere von ihren gebuchten Hotels und Hostals mit Orchideen-Blumenketten empfangen. Nur wir leider nicht, denn wir haben mal wieder nichts vorgebucht. Dafuer finden wir einen schoenen Campingplatz, direkt am Meer in Hanga Roa, dem einzigen Dorf der Insel, in dem nur 3000 Menschen wohnen.

Die Insel ist so klein und uebersichtlich, dass wir sie zu Fuss oder mit einem geliehenen Roller erkunden. Beruehmt sind die Steinmaennchen (Moais), von denen es hier noch ueber 600 gibt und die ueberall auf der Insel verteilt stehen bzw. liegen. Ein Moai ist im Schnitt 5-6m hoch und wiegt 20-40 Tonnen. Meistens stehen immer mehrere Moais zusammen auf einem “Ahu” (Plattform) nebeneinander, immer am Meer und mit dem Gesicht zum Landesinneren bzw. zur Wasserquelle.

Ahu TongarikiBesonders beeindruckend ist der Vulkan Rano Raraku, wo die Moais aus dem Vulkanstein geschlagen und hergestellt wurden. Hunderte von Moais koennen wir hier in allen moeglichen Entwicklungsstadien stehen. Viele sind fertig und stehen oder liegen am Vulkankrater wie bestellt und nicht abgeholt, denn von hier wurden die Moais ueber mehrere Kilometer zu ihren Bestimmungsorten am Meer transportiert. Der groesste Moai steckt noch im Vulkanstein, denn er ist nicht fertig gestellt worden. Er ist 21m lang und wiegt ueber 200 Tonnen! Es gibt einige Theorien und Mythen ueber die Moais und ueber die Geschichte der Ureinwohner. Vieles ist auch in der Wissenschaft noch ungeklaert, vor allem die noch nicht entschluesselte Schrift der Ureinwohner.

Anakena StrandTraumhaft schoen ist auch dier Anakena-Strand der Insel. Weisser Sandstrand, umgeben von Palmen (von denen eine Nuss beim Herunterfallen nur knapp unsere Koepfe verfehlt) und einigen Moais im Hintergrund, duesen wir an vier Tagen mit unserem Roller zu diesem Strand. Aber immer um 16 Uhr ergreifen wir zu einem anderen Strand die Flucht, denn dann kommen die Tour-Busse an und “ueberschwemmen” die Bucht.

Nach einer Woche entspannen und “Suedamerika-Revue-passieren-lassen” fliegen wir zurueck nach Santiago, von wo aus unser Anschlussflug ueber die Datumsgrenze nach Neuseeland geht. Wir fliegen am 18. April von der Osterinsel los, wenn es am Abend in Santiago dunkel wird, geht fuer uns erst wieder am 20. April die Sonne auf, in Neuseeland. Den 19. April wird es in unserem Tagebuch nicht geben!

Unsere letzten Tage in Santiago de Chile

11. März 2008 02:43

Cerro Santa LuciaOh je, unsere letzten Tage in Suedamerika sind gekommen :-( . Bevor wir noch fuer eine Woche zur Osterinsel fliegen, verbringen wir 5 Tage in Santiago, die Hauptstadt von Chile. Hier ist es zwar wieder sehr laut, chaotisch und alles voller Menschen (sind wir nach den ganzen Nationalparks kaum noch gewohnt), trotzdem gefaellt uns die Stadt auf Anhieb gut. Wir wohnen im Kuenstlerviertel “Bellavista”, wo jeden Abend die Hoelle los ist. Zum Glueck haben wir unsere geliebten Ohropax dabei ;-). Wir gehen seit 5 Monaten zum ersten Mal wieder ins Kino, hier laufen zwar nicht die allerneuesten Filme, aber es ist trotzdem eine schoene Abwechslung. Mit einem Australier von unserem Antarktis-Sidestep und anderen feiern wir unseren Suedamerika-Abschied bis in die fruehen Morgenstunden in einer Live-Salsa-Bar. Ansonsten erkunden wir die Sehenswuerdigkeiten der Stadt, schicken ein letztes Souvenir-Paket nach Hause, und organisieren uns fuer die naechsten Ziele.

Wir freuen uns jetzt sehr auf die Steinmaennchen der Osterinsel, und vielleicht sehen wir dort ja sogar schon den Osterhasen bei seinen Vorbereitungen ;-)

Baehnchen-fahren in Valparaiso

02:18

Waehrend in Koeln mal wieder die KVB streikt (hat sich eigentlich irgendwas geaendert?!), fahren wir in Valparaiso den ganzen Tag fuer nur ein paar Cent Baehnchen. Die Stadt liegt auf mehreren Huegeln an der Kueste in Chile. Weil die Leute hier schon vor ueber 100 Jahren zu faul waren, Treppen zu steigen, gibt es hier viele Baehnchen, die aber mehr einem Aufzug aehnlich sind. Die meisten gehen nur kurze Strecken den Berg hoch, bei einer muessen wir aber zuerst 200m durch einen Tunnel gehen, um dann mitten im Berg eine Bahn senkrecht nach oben zu nehmen. Mulmiges Gefuehl, wenn man bedenkt, dass die Bahnen schon sehr alt sind und garantiert nicht durch den deutschen TUEV (Schreibweise!) kommen wuerden.

Sonst trinken wir hier bei Sonnenschein in den schoenen bunten Gassen von Valparaiso viel Cafe, essen Eis und besuchen das Haus von dem chilenischen Schriftsteller und Nobelpreistraeger Pablo Neruda, auf den die Chilenen sehr stolz sind.

“Hardcore-Trekking” am Torres del Paine

27. Februar 2008 00:42

Nach 9 Tagen im Torres del Paine Nationalpark in Chile kehren wir wieder zurueck in die Zivilisation. Unser Guidebook preist die Wanderung um die Torres del Paine-Tuerme, mehrere und bis zu 3000m hohe senkrecht in den Himmel ragende Felsen, als “Hardcore-Trekking” an. Alex schlottern deswegen schon Wochen vorher die Knie, doch alle Ausreden nuetzen bei Daniel nichts, der auch noch die grosse Runde gehen will. Am Ende ist auch Alex froh und gluecklich, den Trek gemacht und geschafft zu haben, denn die Landschaft und die Erlebnisse (gute wie auch schlechte…) sind einmalig.

Wir laufen insgesamt 9 Tage den “Grande Circuit” und campen auf offiziellen und inoffiziellen selbst-ernannten Camping-Plaetzen. Essen kaufen wir zu Beginn eigentlich genuegend ein, doch abends ist unser Appetit und Hunger groesser als erwartet. Wir sind froh, in einigen Berghuetten das Noetigste, wenn auch zu Wucherpreisen, nachkaufen zu koennen. Unser Speiseplan in diesen Tagen ist nicht sehr abwechslungsreich: jeden Abend gibts Nudeln mit roter Sosse, manchmal sogar noch eine Tuetensuppe als Vorspeise. Nur einmal gibts ein Nobelessen, als wir uns in einer Huette frische Eier, Brot und Kaese kaufen und mit unserer Salami und Tomatensosse zu leckeren Burgern kombinieren. Ein kulinarisches Highlight!

Landschaftlich ist jeder Tag anders. Mal gehts vorbei an riesigen Gletschern, durch dichten Wald, durch karge Steppenlandschaft, und fast immer entlang an eiskalten Gebirgsfluessen (unser Trinkwasserlieferant und Planschbecken) und Seen. Das Wetter ist genauso abwechslungsreich. An unserem schwierigsten Tag, als wir stundenlang einen steinigen Pass ueberqueren muessen, stuermt es und der Regen peitscht aus allen Richtungen. Ziemlich erschoepft und total durchgenaesst, trotz guter Regenkleidung, kommen wir unten im Tal an einem Campingplatz an. Dort haengen wir wie viele andere auch unsere nassen Klamotten in einer warmen Huette mit Ofen auf. Einige Stunden spaeter sind ploetzlich unsere beiden Regenjacken verschwunden. Tolles Gefuehl, mit einem Dieb ueber Nacht Zelt an Zelt zu liegen…

Am naechsten Morgen finden wir zumindest Alex Jacke zusammengefaltet unter einem Busch wieder, aber an Daniels Jacke scheint der Dieb mehr Gefallen gefunden zu haben. Zum Glueck regnet es in den verbleibenden 4 Tagen nicht mehr, sondern es scheint die Sonne, was besonders am letzten Tag DAS Hightlight des Nationalparks zum besonderen Erlebnis macht: die drei hoechsten Torres del Paine Tuerme bei Sonnenaufgang im Postkartenmotiv zu sehen. Wir stehen um 5 Uhr im Dunkeln auf, um vom Campingplatz aus bei sternenklarem Himmel eine sehr anstrengende Stunde lang hoch zum Aussichtspunkt zu kraxeln. Dort werden wir mit einem wunderschoenen Sonnenaufgang belohnt, der die Tuerme erstrahlen laesst.

Zurueck in Puerto Natales hauen wir uns abends die Wampen wieder voll! ;-)